Mallorca – nicht immer nur Ballermann

Mai 2014 – Reise in die Vergangenheit

Waschechte Mallorca-Liebhaber werden es besser wissen. Die spanische Mittelmeerinsel hat viel mehr zu bieten als Kegelvereine und Junggesellenabschiede die laut grölend durch den Bierkönig tellern oder blanke C-Prominenz-Hintern die versuchen, geschmackvoll zu Schlagermusik hin und her zu wippen. Schlägt man die Richtung Norden oder Osten auf Mallorca ein – weg von Ballermann 1 bis 13 – findet man wunderschöne Dörfer, imposante Aussichten und vor allem tolle Strecken für Rad-, Motorrad- und Autofahrer. Selbst wenn sich Letztere immer über Erstere aufregen.

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Strecke von Port de Soller nach Port de sa Calobra

Meine Freundin und ich gehörten damals zur letzteren Kategorie (heute würde ich eher zum Motorrad tendieren). Anders als in St Tropez war unser Mietwagen diesmal ein sehr femininer Fiat 500 in rot als Cabrio. Zugegeben, so hatte ich mich 4 Wochen vorher in St Tropez noch über den Fiat 500 lustig gemacht. Allerdings ging dieser bei der insgesamt kurvigen Strecke von Palma de Mallorca nach Manacor besser als gedacht und das offene Dach war bei den selbst für Mai schon hohen Temperaturen mehr als angenehm. Mit einem größeren Auto wären einige Situationen z. B. mit Reisebussen in Übergröße auf abfallender Kurve und einer Straßenbreite von 2 Motorrädern mit Beiwagen auch nicht gut ausgegangen, ganz zu schweigen von der Parkplatzsuche.

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Valdemossa

Valdemossa war unser erster Stopp auf der Rundreise. Dieses Dorf stellt einen wunderbaren Kontrast zum typisch bekannten Ballermann-Feeling dar. Hier kann man ankommen, ausruhen, sich in den gemütlich verwinkelten sandsteinfarbenen Gassen verlieren und die herrlich blühenden Hauswände betrachten.

Bis das Kloster, Kartause von Valdemossa, erreicht wird. Hier darf man dann touristisches Treiben erwarten. Das Kloster und vor allem der dahinter liegende Rosengarten ist dennoch einen Besuch wert.

Nach ca. 2 Stunden in Valdemossa fuhren wir weiter nach Port de Soller, wo wir das beste Mittagessen weit und breit genießen durften. Richtig. Selbstbelegte Sandwiches. Nichts geht über selbstbelegte Baguettes am Strand. Dort konnte ich übrigens auch die bisher schönsten Muscheln (also als Deko, nicht zum Essen) finden. Bis auf mein Sandwich am Strand und die Muscheln schien der Ort nicht gerade der spannendste zu sein. Wenn das jemand widerlegen kann, bitte ich um Kommentare.

Viel interessanter war für mich die Bucht bei Port de sa Calobra.

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Port de sa Calobra

Klares Wasser und tolle Atmosphäre, da man eine „versteckte“ (der Weg ist ausgeschildert) Bucht über einen schmalen Pfad entlang der Klippen erreicht. Auf diesem Weg konnten wir sogar Bergziegen beobachten, wie sie die letzten paar Hälmchen von den Steinen zupften. Leider konnte ich nicht herausfinden, um welche Art Ziege es sich handelt. Sollten zufällig Ziegenkenner diesen Beitrag lesen, wäre ich um Aufklärung dankbar.

 

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Das Bild für die Ziegen-Fachleute

Ich rate dazu, früh morgens oder abends zur Bucht zu fahren. Sonnenauf- und untergänge sind hier sicherlich wunderschön. In der Nachmittagszeit ist die Bucht touristisch überfüllt. Wer anders als wir vorher noch kein Sandwichbaguette genießen durfte, hat auf jeden Fall die Möglichkeit, in dem Lokal bei den Parkplätzen seinen Hunger zu stillen. Bananen zum Stückpreis von 2,- € (Preis von Mai 2014) könnte man auch erwerben. Man kann sich dann ungefähr ausrechnen, was eine Pommes in dem Lokal kosten würde.

Zum Abschluss der Tour ging es nach Manacor. Da meine Begleiterin und ich uns regelmäßig mit dem Fahren abwechselten – sie wollte hauptsächlich wegen ihres Traumautos (wir sprechen hier immer noch von dem Fiat 500) fahren und ich, weil ich einfach gerne Auto fahre und das nebenbei meine Reiseübelkeit stark zurückhält – war ich jetzt wieder in Manacor dran. Der Horror zum Autofahren. Viel zu enge Straßen, unübersichtliche Kreuzungen, Verkehrsregeln, die nicht eingehalten werden. Damals wusste ich noch nicht, dass es diese Art von Verkehr – sogar in noch schlimmeren Dimensionen – überall auf der Welt (außer in Deutschland) gibt. Da fahre ich also an ein Stopp-Schild heran und stoppe, aufgrund der unübersichtlichen Kreuzung. Was ich nicht wusste, ist, dass Einheimische NICHT stoppen. Kurzerhand hatten wir also einen blauen Kleinwagen in unserem scheinbar nicht vorhandenen Kofferraum sitzen. Es war nichts passiert, keine Kratzer (weder Mensch noch Auto) oder sonstiges, aber die Fahrerin des Kleinwagens stieg nicht mal aus und machte den Anschein, das gewohnt zu sein. Hier fährt man dann also einfach weiter. In Deutschland undenkbar. Hier müssen sich erst zwei Straßenpolizisten, mindestens ein Versicherungsunternehmen und mindestens zwei Privatpersonen mit einer Situation über Tage hinweg auseinandersetzen, obwohl gar nichts passiert ist.

Also einfach weitermachen.

Einen Tag haben wir für die o. g. Route gebraucht. Preis pro Tag für den Mietwagen lag damals – vor 3 Jahren – bei 50,- € inkl. 2 versicherten Fahrern zzgl. Spritkosten.

Natürlich habe ich mir auch mal den Bierkönig, Oberbayern, Megapark und Co. angesehen. Das ist nicht meine Welt. Einige Seitenstraßen weiter konnte ich eine kleine Bar entdecken, in der nur Spanier feierten und tanzten. Das war wesentlich besser und authentischer als die „Geh-mal-Bier-hol´n“-Gesellschaft.

Weiterhin habe ich jeden Morgen, während alle Kegelvereine und Junggesellenabschiede noch geschlafen haben und meine Freundin am Flughafen arbeiten musste, ausgiebige Strandspaziergänge bis mittags gemacht. Sehenswert ist natürlich auch die Stadt Palma de Mallorca, sowie das Palma Aquarium.

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Unterwegs im Fiat 500

Übrigens war die einwöchige Reise nach Mallorca meine erste Flugreise, die ich alleine antrat. Nochmals vielen Dank an meine Freundin, die mich bei sich aufnahm.


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