Einfach nur Nepal

März 2015 – Reise in die Vergangenheit

Tja, Nepal. Wo soll ich anfangen? Unbeschreiblich, unvollkommen, unvergesslich. Schwein gehabt.

Jeder erinnert sich garantiert noch an das starke Erdbeben 80 Kilometer entfernt von der nepalesischen Hauptstadt im April 2015, welches über 7.900 Menschenleben gekostet hat. Ich saß im Büro an meinem Schreibtisch, als ich das erste Mal davon erfuhr und es erschütterte mich. So war ich doch erst 2 Wochen vorher da. Noch heute frage ich mich, ob der Junge ohne Beine (der sich auf Händen durch die Gassen von Thamel in Kathmandu auf den Händen fortbewegt) das Beben überlebt hat. Das werde ich wohl nie erfahren. Leider kann man nirgends richtig sicher vor Katastrophen sein – und diese beginnen bei A wie Atomkrieg und enden bei Z wie Zyklone.

Aber Nepal ist nicht nur aufgrund des Erdbebens für mich unvergesslich. Die zweiwöchige Reise in Nepal hat mich während des Reisens Nerven und Ausdauer gekostet, im Nachhinein aber auch viele Lacher beschert und mich dankbarer für mein Leben (vor allem für meine Lebensumstände) gemacht.

Das fängt schon an, wenn man in Nepal landet. Erst genießt man den guten Service von Turkish Airlines und freut sich sogar über eine gesamte freie Sitzreihe für sich alleine (hier hätte mir eigentlich schon etwas komisch vorkommen müssen, halb leeres Flugzeug = hier will keiner hin, der nicht hierhin muss) bis man die atemberaubende Landschaft im Sonnenaufgang erblickt. Dann wird die Landung zum Kotzen (dabei sollte es in den zwei Wochen auch nicht bleiben). Möglicherweise wäre es bei weniger Turbulenzen auch weniger schlimm geworden. Wie dem auch sei. Mangels Menschenmasse ging das Von-Board-Gehen flott, sowie das Passierendes Flughafens und der Sicherheitskontrollen lief unglaublich schnell vonstatten. Es war nämlich gar kein Personal da, um die einzige, gelandete Maschine zu kontrollieren. Wenn ich schreibe, gar kein Personal, dann meine ich auch gar kein Personal. Ich konnte durch den Alarm schlagenden, witzlosen Torbogen (warum stellt man so einen auf, wenn man doch schon beim Abflug-Flughafen kontrolliert wurde?), der die Sicherheitskontrolle darstellen sollte, spazieren, ohne aufgehalten zu werden. Na ja, wie auch, wenn keiner da ist. Bei den nicht funktionstüchtigen Gepäckbändern angelangt, konnte man sich dann sein Gepäckstück aus riesigen Gepäckhaufen in der komplett vollgestellten Gepäckbandhalle heraussuchen. In dem Moment konnte ich mich einfach nur fragen, wo das gesamte Gepäck eigentlich herkam, wenn doch nur unsere Maschine gelandet ist? Während ich glücklicherweise meinen Rucksack sofort in der ersten Gepäckreihe entdeckte, konnte aus den Augenwinkeln beobachten, wie die Männer – die zwei Reihen hinter mir im Flugzeug gesessen hatten, bereits den ersten Gepäckberg erklommen hatten ohne nach ihrem Gepäck fündig zu werden, sich aber wunderbar in irgendwelchen Gepäcksäcken verfingen.

Anders als im menschenleeren Flughafen tummelten sich bestimmt 200 Taxifahrer vor dem Ausgang und prügelten sich um die Hand voll Menschen, die so eben mit der Turkish Airlines Maschine gelandet sind. Nach 30 „No, thanks.“ ließ ich mich auf einen Taxifahrer ein, der einen halbwegs vernünftigen Preis anbot. Auf dem Weg nach Thamel in Kathmandu zeigte er mir auch gleich, wie man in Nepal tankt. Schrottkarre bis auf einen Meter entfernt von der Zapfsäule heranfahren, aussteigen, mit 5 weiteren nepalesischen Männern diskutieren, die sich dann alle auf den Kleinwagen lehnten und wackelten (in dem ich übrigens noch saß), damit der Sprit besser reinläuft. Hatte ich schon erwähnt, dass es in Strömen regnete?

Irgendwann bin ich dann auch mal heile und sogar halbwegs trocken im Hostel gelandet. Die nächsten zwei Tage regnete und gewitterte es so heftig, dass ich das Sightseeing in Kathmandu bleiben lassen musste und mich auf die Nahrungssuche in Thamel beschränkte. Jetzt braucht man nicht meinen, dass dieses bisschen Regen und Grummeln einen nicht von aufregenden Entdeckungstouren abhalten könnte. Zur Erinnerung: ich war in Nepal und nicht in Deutschland. Wir sprechen hier von unbefestigten Straßen, die sich in braune, matschige und fließende Bäche verwandeln, Hauswände und Fenster die bei jedem Donnergrollen beginnen zu wackeln und zu klirren und ewig lange Stromausfälle bei jedem Blitz. Ich war also schon froh, dass die kalte Dusche im Dunkeln funktionierte. Wenigstens nicht stinken.

Am dritten Tag hatte ich zu viel von dem Wetter und besorgte mir durch das Hostel ein Taxi mit Fahrer. Natürlich konnte der kein English. Dann versuche mal jemandem klar zu machen, dass du irgendwohin willst, wo kein Weltuntergangs-Wetter herrscht. „Take me away from the shit weather, please!“ Er schaute mich nur mit großen Augen an und meinte: „Chitwan?“. „Ja ja, ok. Chitwan.“ Ob jetzt Chitwan oder Shit-Wetter war auch nicht mehr wichtig.

Der Chitwan Nationalpark ist der erste, in den 70er Jahren gegründete Nationalpark in Nepal. Und nach ca. 6 Stunden Fahrt durch Täler, Berge und viel zu enge und kurvige Straßen – auf denen die Reiseübelkeit vorprogrammiert ist – fand ich mich bei bestem, frühlingshaftem Wetter in einer traumhaften Lodge wieder. Meine Mitbewohner – Frösche in der Dusche – und die Tatsache, dass die Matratze nach Schimmel roch, überging ich einfach mal. Ich erfreute mich einfach an dem guten Wetter und der Tierwelt. Besonders interessant ist es, den Panzernashörnern beim Baden zu zusehen.

Leider macht meine Digitalkamera keine guten Bilder im Nebel. Tiger soll es im Nationalpark auch geben, entdecken konnte ich keinen. Ist wohl nicht so einfach. Mir persönlich hat aber die Kanufahrt in einem Fluss voller Krokodile am besten gefallen.

Nach drei Tagen im Chitwan Nationalpark entschloss ich mich weiter nach Pokhara zu reisen. Schließlich war mein eigentliches Ziel in Nepal eine Trekkingtour im Himalaya-Gebirge.

In Pokhara wählte ich ein richtig schäbiges Hotel für ca. 6,- € die Nacht aus. Sowas macht mir eigentlich auch nichts aus, ich komme fast überall zurecht. Sollte ja auch nur für eine Nacht sein. Der tolle Ausblick auf den See in Pokhara entschädigte gewissermaßen auch die Schäbigkeit der Unterkunft. Zumindest bis die Nacht hereinbrach. Mit dieser brachen nämlich auch zwei Reisebusse mit Indern im Hotel ein und bezogen mitten in der Nacht ihre Zimmer, setzten sich in den Fluren zusammen und fingen an zu kochen. Unnötig zu erwähnen, dass man jedes Geräusch durch die Pappwände wahrnahm. Zu allem Überfluss bekam ich in dieser Nacht schlagartig Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit. Toll, ich hatte mir eine Lebensmittelvergiftung zugezogen. Das war echt scheiße. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bis zum Morgengrauen verbrachte ich den Rest der Nacht im Badezimmer. Schuld an der Vergiftung war ich aber ganz alleine. Ich hielt einen Kuchenriegel mit Sahnefüllung, den ich 1,5 Wochen vorher noch aus Italien im Rucksack hatte, für noch essbar. Oh Wunder, war er natürlich nicht mehr, wie ich merkte. Bedauerlicherweise konnte ich an der Trekkingtour nicht teilnehmen. Der Guide der mich morgens abholte, schickte mich zu seinen Bekannten ins Hotel, die sich wirklich gut um mich kümmerten und mir Mittel aus der „Apotheke“ besorgten. Zwei Tage lang verbrachte ich im Bett, wenn ich nicht gerade am Erbrechen war. Und mir ging es so schlecht, dass man fürchtete, ich müsste ins Krankenhaus. Krankenhaus in Nepal! Das wollte ich auf gar keinen Fall. Ich habe Krankenhäuser dort gesehen. Würde ich da reingehen, könnte die Lebensmittelvergiftung verschwinden, dafür würde ich aber mit Blutvergiftung oder anderen Krankheiten wieder herauskommen. Nach den zwei Tagen besserte sich mein Zustand und ich war in der Lage wenigstens eine Tasse Suppe zu essen. Nach fünf Tagen ging es mir bestens, ich konnte wieder normal essen und fühlte mich wieder normal. Gut eine Woche von meiner zweiwöchigen Reise ging also für die Krankheit drauf. Vom Himalaya und Pokhara habe ich also nicht allzu viel gesehen. Wenigstens konnte ich den Sonnenaufgang in Sarangkot miterleben.

dscn0895
Sonnenaufgang in Sarangkot

Bevor ich aus Pokhara abreiste, wollte ich doch noch etwas Aufregendes erleben und entschied mich für entspanntes Paragliding mit Sergej. Sergej ist professioneller Paraglider aus Russland und arbeitete übergangsweise in Pokhara. Höchstpunkt des Gleiters lag bei 1.400 m. Während ich vor Sergej beim Aufstieg so rumbaumelte, ließ er mich sogar selbst lenken. Allerdings merkte ich, wie mein Magen unaufhaltsam rebellierte. Anscheinend war mein Körper noch nicht auf „Action“ eingestellt. Gut, es kann nicht jeder von sich behaupten, in Höhe von 1.400 m auf Pokhara runtergekotzt zu haben. Sergej tat schnell alles daran uns runterzubringen, bevor ich da alles vollkübelte (keine Panik, ihn habe ich nicht getroffen). Zum Wohle aller war es auch das letzte Mal, dass es mir so schlecht ging.

Überraschenderweise überstand ich die Autofahrt zurück nach Kathmandu bestens, sowie den Bungee-Sprung aus 160 m Höhe (irres Gefühl) am letzten Tag meines Nepalaufenthaltes, bevor es wieder nach Hause ging.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s