Indonesien – Labuan Bajo

Oktober 2015 – Reise in die Vergangenheit

Vor genau einem Jahr trat ich die dreiwöchige Reise nach Indonesien an. Mein Hauptziel war es echte freilebende Komodowarane zu sehen. Ausgangspunkt für die drachenartigen Echsen ist Flores, eine der Sundainseln, dem Inselstaat Indonesien zugehörig. Von Bali flog ich mit Lion Air (die kleine Propellermaschine hatte über 6 Stunden aufgrund technischer Probleme Verspätung) für ca. 25,- € zur Hafenstadt Labuan Bajo.

Flores, bzw. Labuan Bajo ist wenig touristisch erschlossen. Allerdings in einer rasend schnellen Entwicklung dorthin. Hier wird man als Europäer auch noch regelmäßig von Einheimischen gefragt, ob man mit ihnen zusammen Fotos machen könnte. Vorstellbar ist, dass Labuan Bajo in fünf Jahren von Touristen überlaufen sein wird, denn von hier kann man die besten Touren auf Flores planen und starten. Einige Tourenanbieter haben sich bereits hier niedergelassen, Hotelanlagen werden gebaut. Ich habe mich für ein wunderschönes Appartement im Bayview Gardens oberhalb der Stadt entschieden.

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Zimmerausblick des Bayview Garden in Labuan Bajo

Absolut richtige Entscheidung. Hilfsbereites Personal, hervorragender Service, leckeres Frühstück, Zimmer (Room 1) mit Balkon für ca. 25,- € die Nacht. Mittlerweile wurde dort auch renoviert – der Pool war damals noch nicht da – und die Preise sind auf ca. 40,- € gestiegen. Ich sage es ja: rasend schnelle Entwicklung. Trotzdem würde ich vor allem aufgrund des Personals und Managements wieder kommen, denn durch deren Hilfe konnte ich (auch unbekannte)Ausflugsziele zu Preisen für Einheimische erreichen.

Zum Beispiel bin ich so an das Boot gekommen, weches mich für zwei Tage mitnahm, sodass ich Komodo und Rinca besuchen konnte. Diese beiden kleinen Inseln gehören zum Komodonationalpark in denen man die Komodowarane oder beispielsweise auch Wildpferde auf Rinca beobachten kann. Die Wildpferde blieben von mir bedauerlicherweise unentdeckt. Auf dem Weg stoppten wir einige Male um mit Riesenmantas zu schnorcheln. Diese Mantas sehen fast aus wie Haie, wenn sie sich nah unter der Wasseroberfläche befinden. Es ist ein irres Gefühl zwischen mehreren bis zu 2 Meter großen Riesenmantas, die teilweise dicht unter einem sind, zu schwimmen. Im offenen, arschkalten Ozean. Natürlich ohne einen warmen Taucheranzug. Aber das war es wert.

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Kleine Insel auf dem Weg nach Komodo Island

Genauso schön ist es aber auch an den winzigen Inseln mit weißem Sandstrand, im seichten Wasser die farbenprächtigen Korallen und kleinen Fische beim Schnorcheln zu entdecken. Zur Abenddämmerung schipperte die „Fischkutter-Crew“ in Richtung Heimatdorf auf Komodo Island, vorbei an Mangroveninseln mit tausenden von Flughunden in den Baumwipfeln. Es ist spektakulär, wenn sich diese bei Sonnenuntergang erheben um Insekten zu jagen.

Zum Abendessen wurde ich Daheim beim „Kutter-Capitän“ eingeladen. Ich habe bisher nie eine bessere Reis-Gemüse-Kombination gegessen. Schlafen durfte ich auf dem Boot, nachdem man einen Teppich aus dem Dorf anschleppte und so auf dem Boden ausbreitete, dass darauf geschlafen werden konnte.

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Dorf auf Komodo Island

Aufgrund des Öl- und Benzingeruchs, der nächtlichen Geräusche durch arbeitende Crewmitglieder und einer zugegeben unbequemen Lage, brauchte das Einschlafen seine Zeit.

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Boot an der Dorf-Anlegestelle von Komodo Island

Im frühen Morgengrauen wachte ich bereits wieder auf und genoss die Stille im Dorfhafen und die Ansicht des Nebels über dem plätschernden Wasser. Die Ruhe hielt aber auch nicht allzu lange an. Ich wurde zum Eingang des Nationalparks auf der anderen Inselseite von Komodo Island gebracht und durfte nun endlich echte, lebende Komodowarane sehen.

Für den Nationalpark ist ein Eintrittsgeld zu entrichten und man wird in einem Besuchsregister eingetragen. Weiterhin läuft ohne Guide nichts. Aus gutem Grund. Komodowarane sind die gefährlichsten und giftigsten Echsen der Welt. Ein Biss ist tödlich, ein Schlag mit dem Schwanz lebensbedrohlich, ein ausgewachsenes Männchen kann bis zu 90 kg wiegen und Weibchen sind während der Brutzeit besonders aggressiv. Ist eigentlich wie beim Menschen. Direkt zu Beginn lagen auch zwei vollgefressene Komodowarane herum. Umzingelt von einer 30-köpfigen Touristengruppe mit Einheitsshirts. Wie niedlich. Ok, das war nicht was ich wollte.

Dennoch war der Park bzw. die Insel an sich super schön, zwar auch super trocken und in der Mittagshitze unerträglich, aber schön. Nach der Führung durch den Nationalpark auf Komodo Island, konnte ich wieder zurück auf den Fischkutter und mit nach Rinca Island fahren.

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Auf dem Weg nach Rinca Island

Für mich eine große Erleichterung, dass kein heftiger Wellengang wie am Vortag war (genau, ich bin seekrank geworden) – welch Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet eine auf Reiseübelkeit anfällige Person wie ich, das Reisen liebt (ein Hoch auf Superpep!).

Rinca Island und Komodo Island liegen dicht beieinander, unterscheiden sich meines Erachtens aber völlig in Flora und Fauna. Bis auf die Komodowarane. Rinca ist wesentlich urtümlicher und weitaus weniger besucht – zumindest habe ich bis auf die Pförtner und die Guides keine anderen Menschen gesehen (obwohl man sogar die Möglichkeit hätte im Park zu übernachten -> die Unterkünfte sind nichts für zarte Gemüter).

Nach der Registration im Nationalpark kann man zwischen drei verschiedenen Wanderwegen auswählen – natürlich mit Guide. Die Drachen sind auf Rinca schließlich nicht ungefährlicher als auf Komodo. Mein Guide – kleiner und jünger als ich (ob man sich da sicherer fühlt, sei jetzt mal dahin gestellt) – erzählte mir dann auch, dass erst vor kurzem noch ein Besucher durch den Biss eines Warans getötet wurde, weil dieser die Wege verlassen habe und einem brütenden Weibchen zu nahe kam und in einem anderen Fall ein Guide schwer verletzt worden sei.

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Weiblicher Komodowaran auf Rinca Island

Die Warane sind, obwohl so extrem gefährlich, wunderschön und ich erinnere mich immer gerne an die Momente, in denen ich im Dickicht hockte um diese seltenen und mystisch wirkenden Tiere zu beobachten. Durch die Lebensraumzerstörung ist der einzige Feind dieser Waranart der Mensch und die Drachen wurden bereits auf der roten Liste als gefährdet eingestuft. Hoffentlich wird es immer Menschen geben, die für die Erhaltung der uralten Echsen und gegen die Bestandsveränderung kämpfen. Die Entstehung der Nationalparks ist schon einmal ein Anfang. Und hier der Appell an alle: Bitte bleibt in Nationalparks auf den Wegen – nicht nur zu eurem Schutz, sondern vorrangig zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt!

Nachdem ich also endlich meine freilebenden Komodowarane entdeckt hatte, konnte ich zufrieden den Rückweg nach Labuan Bajo antreten. Freuen kann man sich dort schon auf den allabendlichen Fischmarkt, auf dem man frisch gefangenen Fisch vor seinen Augen zubereitet bekommt und in gemütlicher Atmosphäre am Hafen gemeinsam isst. Der gegrillte roter Schnapper war dort der beste Fisch, den ich jemals aß und übrigens auch mein letzter. Seitdem verzichte ich nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Fisch.

Auch sonst hat Labuan Bajo jede Menge Leckereien zu bieten. Um seinen Appetit auf etwas Süßes zu stillen, ist man in der namenlosen Bäckerei gegenüber des Fischmarktes an der richtigen Adresse. Für umgerechnet ca. 2,- € pro Mahlzeit wird man bei Warung Mama satt. Hier kann man sich seinen Teller selbst mit seinen Lieblingsspeisen vollmachen und zwischen mindestens drei verschiedenen Reissorten wählen.

Um die Insel besser erkunden zu können, wollte ich mir ein Motorrad ausleihen. Dies wurde von den Indonesiern irgendwie falsch verstanden und ich bekam einen Roller in miserablen Zustand mit Fahrer. Bei jedem Hügel musste ich hinten absteigen, weil der Roller das nicht packte. Sollte ich mir jetzt Gedanken um mein Gewicht machen? Egal, war trotzdem eine tolle Tour.

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Auf dem Weg zum Cunca Wulang Wasserfall

Wir sind im Dunkeln der Batu Cermin Höhle getappt, konnten nach einem längeren Dschungel-Trekk die Felsen am Cunca Wulang Wasserfall herunter springen und haben an scharfen Gewürzen auf dem Markt gerochen. Die Woche in Labuan Bajo verging einfach wie im Flug. Über Kommentare, wie sich die Hafenstadt entwickelt hat, würde ich mich freuen.


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