Die letzten 48 Stunden

Es regnet in Strömen. Ich kann nicht sagen, ob ich das gut oder schlecht finde. Noch sitze ich im Trockenen auf Tantes Gartenmöbeln, die während der Winterzeit in ihrem Büro stehen. Doch nochmal eben überprüfen, ob Regencape und Regenschutzhülle für den Rucksack auch wirklich im Rucksack sind. Natürlich sind sie das. Nicht umsonst habe ich 6 Stunden damit zugebracht meinen Deuter Eclipse 60+10 zu packen.

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Deuter Eclipse 60+10

Dinge, die ich mitnehmen wollte, hatte ich mir bereits 2 Wochen vorher zurecht gelegt. Als es dann ans Packen ging, sah ich bereits mit bloßem Auge, dass das alles nicht passt. Also die Hälfte davon wieder weg gelegt. Mit Stopfen und weiteren 20 verschiedenen Packvarianten versucht, die andere Hälfte in den Backpack zu bekommen. Passte nicht. Also nochmal die Hälfte davon wegnehmen. Jetzt passte es einigermaßen. 1/3 von dem, was man eigentlich mitnehmen will, geht also mit. Hätte ich mich doch nicht dafür entschieden, noch einen kleinen Handgepäckrucksack zu packen, würde ich sogar weniger als das Drittel mitnehmen. Davon ausgehend, dass im Laufe der Reise sowieso einige Kleidungsstücke nicht überleben oder Geschenke an Couchsurfing-Gastfamilien verschenkt werden, kann also ruhigen Gewissens ein großer und ein kleiner Rucksack mitkommen. Und der Schlafsack, den ich noch kurz vor der Abreise bekommen habe. Gut, den kann ich ja schließlich an dem großen Rucksack befestigen. Im Laufe der Zeit, werde ich mal einen Beitrag über Dinge, die mich begleiten und sich auch tatsächlich während der Reise bewährt haben, veröffentlichen. Da fällt mir ein, ich muss noch wiegen. Wird aber wohl nicht mehr als 15 kg sein. Oder?

Das Wiegen des Gepäcks war mir lange nicht so wichtig, wie die persönliche Verabschiedung von all meinen Liebsten. img-20161104-wa0002 In den meisten Fällen hat das auch geklappt.

 

Gepäckupdate am Flughafen: 22,1 kg -> in Moskau wird erstmal aussortiert.

Was mir trotzdem fehlen wird…

  • ein kleiner Teil Privatsphäre
  • mein Bett inkl. kuscheliger Decke in Übergröße
  • ein tollpatschiger, brauner Labrador (der beim Geruch von Insekten anfängt zu kotzen) DSCN1545
  • Heiligabend mit Mutter und Bruder, die sich anschließend bei jedem Gesellschaftsspiel streiten
  • die Klöße meiner Tante E am Weihnachtsfeiertag und die typischen Sprüche meines Onkels
  • wenn meine Cousine beim Würfeln zu viel getrunken hat und aus „Nehme ich.“ ein „Nimich.“ wird
  • die Weihnachtsfeiern mit einem unmenschlich hohem Tequila- und Captain-Cola-Konsum einer ganz speziellen Stammtischgruppe
  • mich mit meinem Bruder über etwas lustig machen
  • Kleidung und Schuhe aus dem Kleiderschrank einfach aussuchen können und die Auswahl zu haben
  • auf meinem Balkon frühstücken
  • ein Bad in meinem mit Kerzen dekorierten Badezimmer nehmen
  • das Bodyloft
  • verregnete Sonntage auf meinem Sofa mit Playstation
  • Samstagseinkauf bei Aldi
  • meine Laufstrecke an der Ems
  • mein Motorrad
  • mein Fahrrad und die Aussagen der Leute „Du fährst ja ein Herrenrad!“
  • der erste Kaffee bei Sonnenaufgang im Büro und meine Arbeitskollegen
  • Emsspaziergänge mit einer guten Freundin
  • die Einparkkünste meiner Tante A
  • der ganz normale Wahnsinn aus der Wiesenbergstraße 11
  • meine einzigartigen Freunde, die immer zu mir stehen und da sind, wenn ich sie wirklich brauche

An dieser Stelle möchte ich all meinen Helfern, Unterstützern und denjenigen, die während meiner Vorbereitungsphase meine Launen ertragen mussten, danken!

Auch wenn es nur vorübergehend ist, sollte man sich bewusst machen, dass man eine Zeit lang auf einiges verzichtet, was so selbstverständlich war. Ich muss gestehen, dass sich teilweise auch richtiger Trennungsschmerz, ja fast Liebeskummer in einigen Punkten entwickelte. In Sachen langjähriger Reise, sind gerade auch diese Kleinigkeiten für die Entscheidungsfindung ausschlaggebend.

In meinem Fall bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass es wert ist, gewisse Opfer zu bringen.

Worauf müsstest du verzichten?


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