Russland – Low Budget der Extraklasse

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Vor der Parklandschaft im Tsaritsyno Park (Lisomatisch)

Wer Moskau von seiner schönsten Seite kennenlernen will, braucht nicht einmal viel Geld ausgeben. Klingt komisch, ist aber so.

Alleine die Wege durch die kunstvoll immer anders gestalteten Metrostationen sind schon ein reines Vergnügen und hier kommt das gesamte Volk zusammen. Ein Ticket für beispielsweise 20 Fahrten kostet 650 Rubel. Ich habe mich mit Hilfe der U-Bahnpläne sehr schnell zurecht finden können. Nur ein Mal verlaufen und auch nur ein Mal das Aufsehen der Sicherheitsleute erregt, in dem ich durch die falsche Pforte gelaufen bin und diese den Alarm ausgelöst hat.

Kunstliebhaber werden Moskau aufgrund der unzähligen Kunstgalerien wie z. B. Tretyakov State Gallery und das Pushkin State Museum of fine Arts anstreben. Bei diesen ist für den Einlass viel Wartezeit und ein kleines Eintrittsgeld mitzubringen. Für das Pushkin State Museum of fine Arts hätte ich 2 Stunden anstehen müssen, um überhaupt reinzukommen. Und das in der Wintersaison auf einem stinknormalen Mittwoch.

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Kunstmeile an der Moskwa in Moskau

Für mich reizvoll waren allerdings auch die ausgestellten Bilder der unbekannten, aber durchaus talentierten Künstler an der Moskwa am Gorky Park. Die Kunstwerke der Newcomer können direkt vor Ort käuflich erworben werden. Oder man erfreut sich einfach mal an dem kostenlosen Anblick der Bilder unter freiem Himmel und hält ein nettes Pläuschchen mit den Verkäufern (nur wenige von ihnen sprechen Englisch). Wie das nun mal so ist, wird man mit seiner Kunst halt erst berühmt, wenn man tot ist.

Die Kunstmeile liegt idealerweise auf dem Weg zur orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale. Auch hier ist freier Eintritt, aber Achtung! Für die Männer gilt es, die Kopfbedeckung abzunehmen und für die Frauen eine Kopfbedeckung anzulegen. Meiner Meinung nach, ist das eine der schönsten Kirchen, die ich je gesehen habe. Der Anblick von innen ist durch die bis unter die Decke reichenden Malereien überwältigend.

Als eine der größten Metropolen der Welt, ist Moskau grüner, als vielleicht angenommen wird. Gut, wenn nicht gerade Winter ist. Überall sind riesige Parks zu finden – die laut meinem Host Sergey – im Sommer noch schöner, aber überfüllt sein sollen. Ich finde die Parks schneebedeckt schon einfach traumhaft – und sie sind fast menschenleer. Der Tsaritsyno Park gleicht einem unwirklichen Märchenwald. Immer mal wieder entdeckt man hier und da nach einigen Hügeln eine weiße Statue im Schnee.

Da die Wege durch den großen waldigen Teil des Parks wegen des Schnees nicht einwandfrei zu erkennen sind, muss ich wohl vom Weg abgekommen sein. Das Knartschen des Schnees unter meinen Füßen verwandelte sich nämlich in ein Knacken. Ohne es sehen oder fühlen zu können, bin ich auf einem lang verlaufendem Teich oder ähnlichem gelandet. Da rechts und links in nicht weiten Abständen noch Bäume wuchsen, konnte die Entfernung gut abgeschätzt werden. Ich bin langsam zurück geschlichen und alles war in Ordnung. Eigentlich wollte ich auch durch den Losiny Ostrov Nationalpark um Elche zu sehen, aber dort hätte die Situation auch ganz anders verlaufen können. Kein Mensch weit und breit, man weiß nicht wie tief das Gewässer ist und wie weit bis zum Ufer. Sergey hatte mir allerdings auch dringend davon abgeraten in den Nationalpark zu fahren. Jeden Winter verlaufen sich die Menschen dort und manche tauchen erst gar nicht wieder auf. Am Anfang meiner Reise muss ich es ja nicht zwingend darauf anlegen, verloren zu gehen. Das Schloss im Tsaritsyno Park ist zwar nicht mit Elchen zu vergleichen, aber dennoch traumhaft schön. Dieses kann für einen geringen Eintrittspreis besichtigt werden. Für alle Hobby-Bastler: Im Park habe ich auch eine witzige Vogelhaus-Konstruktion gefunden. Aufgeschnittener Tetra-Pak-Karton mit Schnürsenkel befestigt.

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Vogelhäuschen im Tsarletsyno Park

Atemberaubend sind auch die Kirchen und das Holzschloss im Gelände des Kolomenskoje Freilichtmuseums. Tickets für die Schlossbesichtigung gibt es im Tickethaus vor dem Gebäude oder an fast jedem Eingang. Die Kirchen können so betreten werden. Genossen habe ich den Ausblick auf Moskau vom Hügel hinter dem Friedhof der Johannes-der-Täufer-Kirche.

Für einen Park sollte man ungefähr einen halben bis ganzen Tag einplanen.


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