China – Gabel gegen Stäbchen

Eine Woche habe ich jetzt in Moskau verbracht und alles gesehen, was ich unbedingt sehen wollte. Außer meine Untergrundtour, die hat natürlich nicht mehr stattgefunden.

Macht aber nichts, gibt ja noch mehr Dinge zu entdecken auf der Welt.

Also ab zum Flughafen Moskau Sheremetyevo und mit Aeroflot nach Beijing. Das ist auch ein Flughafen bzw. eine Airline für sich. Völlige Katastrophe da. Beim Check in hieß es noch Gate 46, bei anderen mitfliegenden Personen wurde Gate 50 auf die Boardingcard gedruckt, auf der Anzeigetafel stand Gate 47, 30 Minuten vor dem Boarding änderte sich dies wieder in Gate 46 und ab dem Boarding merkte man als Passagier, dass aus Gate 46 dann Gate 49 (ohne Anzeige und Ansage) wurde. Und wie merkte man das? Richtig, es war einfach kein Personal da. Bei gutem Vorstellungsvermögen kann jetzt jeder vor seinem inneren Auge die Karawane der mindestens 300 Passagiere von Gate zu Gate wechseln sehen. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist das ziemlich witzig. War es aber zu dem Zeitpunkt nicht, weil die Gänge in dem Abschnitt des Flughafens sehr eng sind.

Aber ich bin trotzdem gut in Beijing angekommen. Mit 4 Stunden Verspätung, weil der Flieger 2 Mal enteist werden musste. Moskau – man kommt im Schnee und geht im Schnee.

dscn1975
Smog über der „Verbotenen Stadt“ in Beijing
dscn2004
Rollerdecken – Nie wieder frieren beim Rollerfahren!

Hier in Beijing ist es etwas wärmer, ca. 9°, dafür viel Smog in der Luft. Die Spitzen der Wolkenkratzer und riesigen Wohntürme sind nicht mehr sichtbar. Erfreulicherweise habe ich mir wieder eine Couch bei jemandem in genau so einem Wohnturm im 13. Stock, organisieren können. Na ja, gut es ist ein Doppelbett, welches ich mir bei meinem chinesischen Host mit einer schwedischen Couchsurferin namens Susan (ohne Scheiß, sie kennt alle Ikeamöbel mit Namen) teile. Dieser Gastgeber gehört zu der Sorte Host, die durchgehend Surfer in ihrem Appartement wohnen lassen. Zur Zeit sind wir zu sechst bei ihm. Hostelfeeling pur. Am Ankunftsabend wurde zunächst Essen und Yanjing via Smartphone (vergleichbar mit Deutschlands Lieferdienst.de) geordert. Genaugenommen brauchen die Bewohner Beijings gar nicht mehr aus ihrer Wohnung zu gehen, da einfach alles bestellt werden kann. Alles. An der Stelle lasse ich mal Platz für die eigenen Vorstellungen.

Ich habe mich sehr zur Freude der Mitbewohner auch direkt zum Deppen gemacht: Mit Stäbchen kann ich nicht essen. Ich habe nicht nur den Tisch und mich völlig eingesaut, sondern auch den Boden, eine Wand, die Hauskatzen und mein Gegenüber, sowie meinen Sitznachbarn. Wenigstens hatten alle anderen Spaß daran, mir diese Kunst des Essens beizubringen. „Du wirst es schnell lernen. Anderenfalls wirst du hier verhungern.“, so die Worte meines Hosts. (In den letzten 3 Tagen habe ich mich stark verbessert.)

img_2729
Susan und ich mit den frisch erworbenen Eintrittskarten zur „Verbotenen Stadt“ in Beijing

Was die chinesische Sprache angeht, hatte ich mehr Probleme erwartet. In Beijing sprechen aber mehr Menschen Englisch, als ich angenommen hatte und zumindest spricht der Großteil der Bevölkerung auch Hand und Fuß. Mit Hilfe des Google-Translators (VPN für China unbedingt notwendig!) habe ich mir auf meinem Handy Screenshots der chinesischen Schriftzeichen z. B. von Adressen oder Essen, welches ich nicht esse, abgespeichert. Klappt bisher super. Mal schauen, wie es auf dem Land wird.

Auch die futuristisch gestalteten Subwaystationen, sowie der überwiegende Teil an Sehenswürdigkeiten ist auf Englisch. Hier eine Notiz am Rande für meine Tante: Ich habe die Toiletten der Subwaystationen getestet. Überraschend sauber, Männer und Frauen getrennt, Klopapier wird am Eingang abgerissen und mitgenommen. Wäre allerdings trotzdem nichts für dich.

img_20161114_104906
Damentoilette in einer Beijinger Subwaystation

Hock-Klo mit halber Tür. Frauen ab Größe 1,70 m können sich also ab Brusthöhe beim Pinkeln nicht nur super unterhalten, sondern auch dabei anschauen. Klugerweise nimmt man ganz normale Toilettentüren für Western-Style-Toiletten, bei denen unten ein Spalt frei bleibt und keine Türen, die am Boden enden. Ich bin nicht sicher, ob bei der Planung nicht daran gedacht wurde, dass theoretisch der gesamte Toilettenvorgang beobachtet werden könnte. Ob die Toiletten bei den Männern ähnlich sind, kann ich nicht sagen. Das Security-Personal wollte mich nicht reinlassen.

Zurück zu Beijings Sehenswürdigkeiten. Mit Susan habe ich mich auf den Weg gemacht, die „Verbotene Stadt“ zu erkunden. Was man da sieht? Zunächst einmal ganz viele Menschen. Und das in der Nebensaison, die Hauptsaison möchte ich mir nicht vorstellen. Zwischenzeitlich musste ich mir auch die Frage stellen, was hier eigentlich die Hauptattraktion ist. Die uralten Gebäude und Museen oder die zwei komischen Europäerinnen. An das ungefragte Fotografieren (nur selten wird höflich angefragt) der eigenen Person muss man sich in Asien gewöhnen. Diskussionen von wegen Recht am eigenen Bild brauchen gar nicht erst begonnen zu werden.

img_2908
Chinesische Fotografie

Ich persönlich musste mich stark zurückhalten, nicht das schlafende Museumspersonal (das scheint überall so zu sein, nicht nur in der „Verbotenen Stadt“) zu fotografieren. Wobei das Einschlafen bei dem Job stark nachvollziehbar ist. Den ganzen Tag in einer Ecke stehen und gucken, dass keiner Mist macht. Zusätzlich sind ja auch noch 10.000 Kameras angebracht.

Obwohl ich in einen großen Topf geklettert bin, der definitiv nicht zum Hineinklettern gedacht ist, bin ich nicht raus geflogen. Im Gegenteil, damit konnte eine gesamte Touristengruppe samt Guide stark erheitert werden.

img_3088
Active Sightseeing in Beijing

Einen halben Tag haben wir in der „Verbotenen Stadt“ verbracht.

Sehr gut gefallen hat mir persönlich der Park des „Himmelstempels“. Der Park für 28 yuan an sich ist nichts spektakuläres, aber die Menschen im Park und die uralten Gebäude sind unbedingt sehenswert.

Vor allem ist man für einige Zeit raus aus Beijings Hektik, ideal zum Runterkommen. Früh morgens und am frühen Abend wird gesungen, getanzt, an den zahlreichen chinesischen Schach-Steinen gespielt, Sport getrieben und fotografiert.  Vorsicht beim Betreten der glatten Marmorstufen der Tempelgebäude. Beim unvorsichtigen Quatschen bin ich da nämlich runter gesegelt. (Es geht mir gut!)

Für den Park sollten mindestens 2 Stunden eingeplant werden.

Eine unglaublich schöne Parklandschaft mit vielen verschiedenen Wegen hat der „Neue Sommerpalast“ zu bieten.

img_3625
Parklandschaft des Neuen Sommerpalastes in Beijing

Susan und ich hatten diesen im Anschluss der „Verbotenen Stadt“ besucht und hatten daher leider zu wenig Zeit, um den gesamten Park abzuarbeiten. Also beim nächsten Mal die Zeit für mindestens einen halben Tag nehmen.

Für die nächsten Tage steht die große Mauer auf dem Programm.


4 Gedanken zu “China – Gabel gegen Stäbchen

  1. O_o kp ob mein vorheriger Kommi abgeschickt wurde ………
    Also, das klingt und sieht ganz toll aus!
    So mutig, dass sogar meine Mama jetzt deinen Blog verfolgt! ! Ganz viel Spaß dir noch, ich lese fleißig mit!

    Gefällt 1 Person

  2. Weisst du was? Wenn du wieder hier bist lass ich dir von Lukas nen grossen Topf basteln. Dann kannst du da nach Lust und Laune drinrumklettern. Den Stellen wir dann noch auf den kleinen lieblings-LKW deiner Mama und dann kannst du das sogar an verschiedenen Orten tun. Was hälst du davon?

    Ich bin übrigends dafür dass du dir bei solchen Aktionen ne Helmkamera aufsetzt. Dann können wir auch sehen wie die Leute auf dich reagieren. Klettert die einfach so in ne Chinesische Riesenvase rein. Ich glaubs nicht…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s