Mut zur Höhe – Beijings Umgebung in 2 Tagen

Meine Mit-Couchsurferin Susan und ich hatten uns überlegt, die nicht restaurierten Teile der ehemaligen Grenze zwischen der Mongolei und China von Goubeikou nach Jinchanling entlangzuwandern. Gesagt getan. Früh morgens fanden wir uns in einem Taxi in Richtung Goubeikou wieder. Der Fahrer ließ uns dann nach zweistündiger Fahrt irgendwo im Nirgendwo raus, wo der „Eingang“ zur Großen Mauer sein sollte. Nirgends Touristen zu sehen. Ein Tickethäuschen sucht man hier vergebens. Eine alte Dame mit Hund verkauft die Tickets für 25 Yuan nahe der Toiletten (zwei nebeneinanderliegende Löcher im Boden ohne Trennwände). Am Hang entlang ist ein kleiner Parcours aus Holz aufgebaut worden. Auf der Spitze des erklommenen Hügels angelangt, erst einmal Luft holen und den atemberaubenden Anblick der chinesischen großen Mauer auf sich wirken lassen. Wie viele wohl ihr Leben haben lassen müssen, um diese zu errichten? Es ist unbegreiflich, wie Menschen dies damals ohne die heutigen Hilfsmittel bauen konnten.

Na ja, wer weiß. Vielleicht wandern Menschen in 500 Jahren auf den Überresten der amerikanischen Mauer und fragen sich, wie man das bauen konnte.

Als wir tatsächlich dort standen und die Situation realisiert hatten, mussten wir uns zunächst orientieren. Nach Jinchanling geht es nach rechts. Oder? So viele Möglichkeiten hatten wir ja nun nicht gerade. Den Weg nach rechts eingeschlagen brachte uns vor militärisches Sperrgebiet, wie wir später erfuhren, an der die Mauer mit Stacheldraht abgesperrt ist. „Scheiße, aber hier muss man doch irgendwie weiter können!“ Und tatsächlich muss man die Mauer für einige Kilometer verlassen und im Dickicht weiterwandern. Am vorletzten Turm, kurz vor dem eingezäunten Gelände, befindet sich auf der linken Seite ein kleiner Pfad. Dem und in einigen Abständen gelben Markierungen (an Ästen hängende Schnipsel mit einer chinesischen Telefonnummer) folgen. Dann sollte man an einem gruseligen, alten und leerstehendem Gebäude vorbeikommen und nach einiger Zeit ein weißes Farmhaus erreichen.

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Farmhaus in der Nähe von Jinchanling für die Pause oder Übernachtung

Dieses eignet sich besonders gut für eine Pause, Essen und Getränke können dort für einen hohen Preis (z. B. ein kleiner Kaffee und eine Coke für 30 Yuan) erworben werden. Saubere Zimmer für Übernachtungen werden ebenfalls angeboten.

Wir pausierten dort allerdings nur für einen Kaffee und russischen Kuchen, den mir meine Gastfamilie aus Moskau mitgegeben hatte. Gestärkt ging es weiter die Hügel rauf und runter, bis wir zum Mauerabschnitt von Jinchanling gelangten und dort auch wieder, für einen Eintrittspreis in Höhe von 55 Yuan, auf die Mauer klettern konnten.img_4020 Darauf tranken wir erst einmal. Susan hatte guten Rum aus Schweden dabei. Scheußliches Zeug.

Teilweise wurde die Mauer hier auch schon restauriert, sodass nicht mehr ganz so stark darauf geachtet werden muss, wo der Fuß hingesetzt wird.

Wir genossen mit Susans weniger leckerem Rum als die einzigen Gäste noch den Sonnenuntergang auf der chinesischen Mauer.

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Sonnenuntergang auf der Großen Mauer Jinchanling

Anschließend machten wir uns im Dunkeln auf den Weg zum Parkausgang in Richtung Stadt, um einen Schlafplatz zu finden.

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Chen, Susan und ich zum Aufwärmen bei einer netten Souvenirverkäuferin

Glücklicherweise sprach der erste Mensch, der uns über den Weg lief, sehr gutes Englisch und verschaffte uns den ersehnten Schlafplatz im Warmen – mittlerweile waren die Temperaturen enorm gesunken. Für nur 100 Yuan pro Person bekamen wir ein Abendessen, ein Doppelzimmer und ein Frühstück in Mr. Duan´s Hotel am Parkausgang des Jinchanling-Great-Wall-Abschnittes.

Chen, der uns den Schlafplatz verschaffte, war selbst Gast in der Pension und beruflich in der Gegend. Als Hobbyfotograf lud er uns dazu ein, den Sonnenaufgang am nächsten Morgen mit ihm zu betrachten. Während Susan und Chen also wild-romantische Fotos schossen, beschäftigte ich mich mittels diverser Sportübungen und Hampeleien eher mit der Beibehaltung meiner Körperwärme. Es war da oben auf der Mauer nämlich arschkalt und windig.

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Zimmer in Mr. Duan´s Hotel
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Glasaussichtsplattform in Shilinxia

Nach einem Nudelsuppenfrühstück verabschiedeten wir uns von Mr. Duan und Chen, um den nächsten Bus nach Minyu zu bekommen. Von dort konnten wir dann in den Bus nach Pinggu umsteigen. Ziel war die im März 2016 eröffnete Glasaussichtsplattform im Dorf Shilinxia im Bereich Pinggus. Diese erreicht man für 78 Yuan Eintritt entweder zu Fuß über den spielerisch gestalteten Park im Canyon oder über die One-Way-Seilbahn für zusätzliche 100 Yuan (den letzten Abschnitt muss man aber sowieso über die steilen Treppen gehen – ich habe mich ja herrlich über die schön gestylten Chinesinnen mit ihren überaus hohen Schuhen beim Aufstieg amüsiert).

Für die Parkwege sollten mindestens ein halber Tag eingeplant werden.

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Seilbahn zur Aussichtsplattform in Shilinxia

Wenn man dann erstmal oben angelangt ist, muss man sich besonders schicke Schuhüberzieher für 20 Yuan leihen, um die Plattform betreten zu dürfen. Ich fand es da oben ganz nett, Susan hat sich leider nicht auf die ca. 30 m² große Glasfläche getraut.

Diese Tour ist auf gar keinen Fall für Schwindelanfällige oder Menschen mit Höhenangst geeignet.

Passend zum Abendessen (Hot Pot in einer chinesischen Fastfoodkette) mit unseren Mitbewohnern kamen wir dann wieder in Beijing an.


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