China – Mount Huang Shan

Als Gebirgsfan wollte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, Mount Huang Shan in Chinas Provinz Anhui zu erklimmen. Startpunkt für meinen Trekkingausflug war das touristisch aufstrebende Städtchen Tangkouzhen – wobei ich hier trotzdem nicht tot über dem Gartenzaun hängen möchte. Hotels gibt es hier massenweise, komischerweise habe ich im Internet nur eines über Agoda gefunden. Da ich in dem Nest keinen Host finden konnte, buchte ich in dem einen Hotel 2 Nächte für 27,- € über Agoda.

Um nach Tangkouzhen zu kommen, musste ich zunächst in die Stadt Huangshan gelangen. Mit dem ca. neunstündigen Nachtzug von Suzhou aus ging das ganz gut. Das Zugticket habe ich wieder online über Ctrip gekauft und musste es nur noch am Schalter abholen. In Suzhou ist das glücklicherweise nicht so hektisch und unübersichtlich wie in Beijing und Shanghai. In der Wartehalle schlendern Verkäufer durch die Reihen um Eier oder das eine oder andere Instant-Nudelgericht an wartende Passagiere zu verkaufen. Einige Verkäufer versuchten ihr Glück auch mit unnützem Tineff. Beispielsweise grell blinkende Kreisel mit ganz grausam-lästiger Musik einfach in die Menge geworfen, während der Nüsse knabbernde Opa mit drei Zähnen im Mund neben mir mit seinem alten Motorola-Klapphandy die vermeintlich musikalischen Gesänge von scheinbar Sterbenden abspielt.

Überraschenderweise war mein Schlafwagon nur zu einem Drittel belegt, was eine sehr ruhige Nacht versprach. Bevor das Licht gegen 22 Uhr ausgeschaltet wurde, tauschte ein Kontrolleur sämtliche Zugtickets gegen die jeweiligen Schlafplatzkarten (z. B. Wagon 01, Schlafplatz 12 unteres Bett) ein. Dadurch besteht die Sicherheit, dass ein Passagier seinen Ankunftsbahnhof nicht verschläft und von den Kontrolleuren geweckt werden kann. Anschließend wird die Karte wieder gegen das Ticket zurückgetauscht.

In der Stadt Huangshan ausgestiegen, wird man erstmal am frühen Morgen von tausenden Verkäuferinnen überrannt, die einem Karten für den Nationalpark Huang Shan, Regencapes, Handschuhe und Spikes andrehen wollen. Die Karte kann man sich schenken, im Park gibt es nur vorgegebene Wege (Guides sind daher auch völlig unnötig).

Ich bin schnell an den Taxifahrern vorbei zu den Minibussen und war auf meiner Suche nach dem Tangkouzhen-Bus sofort erfolgreich. Für 20 Yuan und ca. 40 Minuten später steht man dann an irgendeiner Busstation in Tangkouzhen. Jetzt wollte ich ein einziges Mal ein Taxi zu einem Hotel nehmen und was machen die ca. 30 Taxifahrer? Anstatt auf die aus dem Bus steigenden Gäste herzufallen, streiten die alle lauthals. Ein Streifenwagen gesellte sich auch schon dazu, um die Situation zu entschärfen. Vermutlich.

Na ja, was soll´s. Erstmal die Straße hinunter und sich zum Hotel durchfragen. Ich nahm mir vor, den erstbesten Passanten nach dem Weg zu fragen. Der Erstbeste war natürlich ein Polizist. Freund und Helfer in der Not – ohne Englischkenntnisse. Dieser bedeutete mir in dem kleinen Wartehäuschen hinter uns Platz zu nehmen, während er mit dem Hotel abmachte, dass ich abgeholt werde. Eine Stunde lang schaute ich 4 Automarken-Mahjong-spielenden Polizisten beim Rauchen und Witze (höchstwahrscheinlich furchtbar schmutzige Witze) reißen zu, bis ich von dem Hotelmanager abgeholt wurde. Das Laojia Tangkouzhen Hotel ist ein kleines Familienhotel, in dem scheinbar nur chinesische Gäste ein- und ausmarschieren. Dort spricht nämlich gar keiner Englisch und es musste erst ein englischsprachiger Freund des Hauses vorbeikommen um mir zu erklären, dass dieses Hotel und Agoda gar nicht zusammenarbeiten. Meine Frage, ob ich im falschen Hotel sei, verneinten sie. Dies sei das richtige Hotel, aber es sei keine Buchung und Zahlung vermerkt. Klasse. Das kann einem beim Couchsurfen garantiert nicht passieren. Nachdem sich also der Manager mit Agoda auseinandergesetzt hat und ich ihm gezeigt habe, wie man einen deutschen Reisepass liest, konnte ich endlich einchecken.

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Merkwürdiger Schimmelfleck

Ich bekam ein Dreibettzimmer für mich alleine, welches eigentlich ganz in Ordnung war. Bis auf den großen penisförmigen Schimmelfleck über meinem Bett an der Decke, der mich beim Einschlafen irgendwie irritierte.

Am nächsten Morgen nahm ich den ersten Bus zum Nationalpark für 19 Yuan. Wenn es heißt, der erste Bus fährt um 07:00 Uhr, dann fährt dieser eigentlich erst, sobald der Bus voll ist. Also in dem Fall erst um 07:24 Uhr. Eine halbe Stunde später fand ich mich dann vor dem Ticketschalter des Nationalparks wieder. „Park with Cable Car is just 90 Yuan more!“, ungläubig starrte mich die Verkäuferin an. Ob ich mir wirklich sicher sei, dass ich den Weg rauf und runter laufen möchte. Klar, wollte ich. Während ich dann als einzige Fußgängerin den verregneten Park für satte 230 Yuan betrat, fühlte ich mich sehr an das Harzer Okertal in Deutschland erinnert. Für das man keine umgerechnet 30,- € Eintritt bezahlen muss und mehrere Wanderwege zur Auswahl hat. Im Huang Shan Nationalpark gibt es nur einen ca. 15 km langen Weg aus steilen Treppenstufen.

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Treppensteigen in Huang Shan

Auf meinem Weg bis zum Gipfel habe ich einige Lastenträger überholt, die den Weg jeden Tag zu einem Hotel (das ja unbedingt auf der Spitze des Berges gebaut werden musste) vollbepackt laufen. Diese Männer bestehen nur aus Muskeln. Kein Wunder, unter anderem schleppen diese sogar Steine hinauf. Die Arbeiter tragen eine einheitliche Arbeitskluft, grüne, durchnummerierte Westen und Stoffslipper, in denen ich niemals genug Halt hätte. Diese Jungs leisten jeden Tag Knochenarbeit und bekommen wahrscheinlich nur einen Hungerlohn (leider konnte keiner von denen Englisch).

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Lastenträger in Huang Shan

Je weiter man aufsteigt, desto kühler wird es. Die Steinstufen werden gefährlich glatt, aufgrund des gefrierenden Wassers, Zweige werden von einer dicken Eisschicht umgeben und der Nebel wird immer dichter.

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Mit Eis ummantelte Zweige in Huang Shan
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Hervorragende Aussicht am Mount Huang Shan

Nach ca. 7 km erreichte ich den berühmten Aussichtspunkt für die gelben Berge. Die blieben mir allerdings verborgen. Ich sah nichts als Nebel. Die Wege waren zugefroren und wurden zu gefährlich (mir wurde jetzt klar, warum die Tanten Spikes verkaufen wollten) und da ich sowieso nichts erkennen konnte, drehte ich um und kroch die letzten 3 km an vereisten Treppenstufen wieder hinunter, bis ich die restlichen Kilometer ganz normal laufen konnte. Mein Rucksack war übrigens auch zugefroren.

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Eingefrorener Rucksack

Obwohl ich echt nicht empfindlich bin, was das Laufen angeht, muss ich zugeben, dass meine Beine nach den 14 km Auf- und Abgesteige ganz schön träge wurden. Für die Strecke habe ich ungefähr 4 Stunden gebraucht. Für erneute 19 Yuan konnte ich dann mit dem Bus wieder zurück ins Städtchen fahren und im Hotelrestaurant bekam ich sofort eine köstlich heiße Nudelsuppe zum Aufwärmen.

 

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Chinesische Nudelsuppe mit Pak Choi und eingelegten Gurken

Tja, so sieht´s aus mit Mount Huang Shan: Besser im Sommer besuchen!

 

 


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