China – Park´n´Eat in Hangzhou

Von Tangkouzhen zu meinem Host nach Hangzhou war ein Abenteuer für sich. Es gibt morgens nur einen einzigen Bus von der Kleinstadt nach Hangzhou. Der nicht-Englisch-sprechende Hotelmanager versprach mir mich am Morgen meiner Abfahrt zu 06:15 Uhr zur Busstation zu bringen, damit ich um 06:30 Uhr meine 6-stündige Busreise nach Hangzhou antreten konnte. Er hat natürlich verschlafen. Bus weg. Der nächste würde erst um 14:30 Uhr fahren. Glücklicherweise machte sich gerade eine 40-köpfige chinesische Rentner-Reisegruppe über das in der Eingangshalle (diese ist gleichzeitig Restaurant und Casino) stattfindende Frühstück her, von denen 2 Personen Englisch sprechen konnten. Diese beiden halfen mir – nach einigen Foto-Sessions mit der Reisegruppe – einen Minibus nach Tunxi zu bekommen. Der Zielort steht natürlich nicht vorne in der Fensterfront, sondern wird einfach quer über die Straße geschrien. Heißt, wer sich nicht rührt, verpasst seinen Bus. Von Tunxi fahren in regelmäßigen Abständen Busse nach Hangzhou (100 Yuan). In der Busstation nach 1,5 Stunden in Tunxi angekommen musste ich mich zunächst in dem Bus-Wirrwarr zurecht finden, was echt nicht einfach war. Ich bin im hinteren Bereich der Busstation ausgestiegen und musste einmal komplett um die Station herum und auf die gegenüberliegende Straßenseite. Sowas muss man erstmal wissen. Hätte ich nicht einen Busfahrer gefragt (sprach zwar auch nur chinesisch, aber wusste irgendwie was ich von ihm wollte), wo ich hinmüsse und er mich nicht regelrecht an die Hand genommen hätte, wäre ich da nie hingekommen. Sechs Stunden später stand ich also an irgendeiner Busstation in Hangzhou. Mein Host Vera und ihr Ehemann Marc hatten mir eine sehr detaillierte Wegbeschreibung ihrer Wohnung gegeben, die ich sicherlich auch sehr leicht gefunden hätte, wäre ich nicht an der falschen Busstation gelandet. Nach 3 weiteren Stunden des Umherirrens und Fragerei von bestimmt 1/3 der Hangzhouer Bevölkerung (ca. 9 Mio. Einwohner) fand ich mich dann endlich in Veras Wohnung ein. Irgendwie schafft man es doch immer zum Ziel.

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Vera und ich auf dem Weg zum Streetfood Market

In den folgenden Tagen in Hangzhou brauchte ich wenigstens keine Zeit zur Orientierung in der Stadt mehr aufbringen. Schließlich kannte ich ja jetzt sämtliche Buslinien und zumindest die Namen der wichtigsten Stadtecken.

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Blumenmarkt in Hangzhou
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Silk Market Hangzhou

Shopping ist auf der Hefang Street, Fengqi Road und am Wushan Square angesagt. Vera hat mich mit zum Einkaufen in einen Seiden-Goßhandel auf der Fengqi Road mitgenommen. Alter, da geht’s ab. Immer darauf achtend nicht von einer Sackkarre mit riesigen Paketen umgenietet zu werden (ist wie im normalen chinesischen Straßenverkehr – der Stärkere hat Vorfahrt), schlängelte ich mich durch Haufen von Seide, immer meinem Host hinterher. Eine halbe Stunde des Feilschens und mit Veras Seidentüchern (100 Yuan) im Gepäck später ging es zum Blumenmarkt. Auch ein Großmarkt, allerdings nicht ganz so brutal wie Ersterer. Hier ihre Errungenschaft: zwei Bund Rosen und 2 Bund Nelken für 43 Yuan.

Meine persönlichen Highlights in Hangzhou waren natürlich die Parkanlagen des West Lakes – sehr schön ist Gu Shan Island (teilweise tropische Bepflanzung) inkl. Museum (freier Eintritt) im nördlichen Teil des Parks und der nächtliche Streetfoodmarket auf der Nansong Yujie (Southern Song Imperial Street).

Mit besonderem Interesse habe ich die Parkgärtner beim Baumbeschnitt beobachtet. Pro Baum ein Mann, der in das Geäst klettert und darin herumwerkelt. Ohne Sicherung. Man sieht, Arbeitsschutz wird nicht unbedingt groß geschrieben.

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Hangzhouer Baumbeschnitt – Wer findet ihn?

Auch immer wieder amüsant ist, wofür Chinesen sich so alles begeistern können. Da gelange ich an einen Teil des Sees, an dessen Ufer eine große chinesische Touristengruppe mit pinken Kappen steht und wie wild fotografiert. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie sind die immer in Gruppen mit >20 Menschen unterwegs, gekennzeichnet durch identische Shirts, Kappen oder sonstigem und vorneweg der Rudelführer mit Fähnchen. Aber das hatte mich dann doch neugierig gemacht, was denn für diesen Aufruhr so verantwortlich war: Enten! Zwei ganz normale Entchen. Ich will nicht wissen, wie die Touristengruppe dann am Warendorfer Emssee eskalieren würde.

Für die Umrundung des gesamten West Lakes kann ein ganzer Tag eingeplant werden. Wer des Weiteren noch alle Tempel und Museen um den See besichtigen möchte, kann 2 Tage daraus machen.

Zumindest braucht nach einer West Lake-Umrundung keiner ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er sich abends durch die gesamten Streetfoodstände isst. So wie ich.

Möglicherweise habe ich dort alle vegetarischen Köstlichkeiten für zusammengerechnet 50 Yuan durchprobiert. Einheimische bezahlen an den Ständen meistens auch nicht mehr bar, sondern durch einen am Stand angebrachten QR-Code, der mit dem Smartphone eingelesen wird und somit direkt online bezahlt. Fleisch gibt es dort selbstverständlich auch.

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Insektenspieße auf dem Streetfood Market in Hangzhou

Wer Bock auf Insekten hat, kann auch diese probieren – wobei ich jedem davon abrate, da es sich dabei einfach nur um eine makabre Touristenattraktion handelt. Mein Host verriet mir, dass Einheimische das niemals so kaufen oder essen würden.

Mein Tipp: In den kostenlosen Broschüren inkl. Karten (englische Version verfügbar) von Hangzhou, die man in jeder Touristeninformation bekommt, werden auch ganz hervorragende Hikingtouren und Ausflüge (ohne jegliche Hilfe von Agenturen möglich) rund um Hangzhou beschrieben. Bei schönem Wetter sollte man mindestens einen dieser Ausflüge gemacht haben.


3 Gedanken zu “China – Park´n´Eat in Hangzhou

  1. Hallo Lisa,

    mit ganz viel Begeisterung und Freude, besonders dass du dich so freust und dir immer dein Augenzwinkern beibehälst, habe ich alle deine Postings in mich aufgesogen. Es ist echt interessant mitzuverfolgen, was du Schönes, Interessantes und Komisches auf deinem Trip erlebst. 🙂 Ich werde jetzt auf jeden Fall regelmäßg hier reinschauen. Da du ja noch 2!!!! Jahre unterwegs bist, werde ich hier und da wahrscheinlich nochmal was kommentieren.

    Ich wünsche dir noch weiter viel Spaß, bleib dir treu und verwirkliche deinen Traum!

    Grüße
    der Kaiser (nicht von China)

    Gefällt 1 Person

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