China – Chillen in Xi´an

Wer von der legendären Terrakotta-Armee gehört hat, kennt auch Xi´an. Oder andersherum. Wie dem auch sei, wer in der Stadt ist, sollte sich das Mausoleum des Qin Shihuangdis, in dessen Grabanlage die Armee in den 70er Jahren gefunden wurde, auch ansehen. Gut, eigentlich reist man als Tourist auch hauptsächlich wegen den ca. 8.000 Tonmännern nach Xi´an. So war zumindest auch mein Plan – allerdings habe ich mir genau diese nicht angeschaut. Und warum nicht? Weil ich nur gechillt habe. Nach einem Monat täglichen Extrem-Sightseeings, verspürte ich mehr das Verlangen nach Sport und guten Clubs.

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„Don´t press the button“ – rauf und runter kommt man dann mit Gedankenübertragung

Beides fand ich in Xi´an durch meinen Host Kai. Dieser ist Polizist, Sportfanatiker und Partylöwe. Passte also. Im Übrigen habe ich im Fahrstuhl seines Hauses wieder ein lustiges Verbot gefunden. „Forbidden Door“ – es sollte also jederzeit damit gerechnet werden, in Narnia oder ähnlichen Parallelwelten auszusteigen.

Meine erste Amtshandlung in der Großstadt war demnach, in Kais Fitnessstudio „Fitness Centre New Concept“ zu marschieren. Da dies das Erste war, welches ich in China testete, bin ich mir nicht sicher, ob alle Muckibuden regelrechte Fitnesstempel wie das „New Concept“ sind. Auf 4 Etagen dreht sich alles rund um Fitness, Gesundheit und den eigenen Wohlfühlfaktor. Im Keller befindet sich das Schwimmbad, im Erdgeschoss der Service, Empfang und ein Restaurant mit gesunder und ausgewogener Kost, im 1. Stock kann sich voll und ganz an den Geräten ausgepowert werden und im 2. Stock wird nach Herzenslust in den Kursräumen getanzt (z. B. Stepptanz, Zumba) und trainiert (z. B. Tai Chi, Aerobic). Hier trifft man nicht nur Terminator-Typen und Barbie, sondern auch bauchtanzende Hausfrauen, entspannte Schwimmer, engagierte Weightloser, wie auch in Deutschland am Smartphone spielende Geräteblockierer und Ping-Pong spielende Schüler (Ping-Pong soll übrigens Chinas Nationalsport sein – von der Information bin ich noch nicht 100 %ig überzeugt). Ich habe mich mit dem dort arbeitenden Personal Trainer Tang angefreundet, der mir sein eigenes Crossfit-Programm näher brachte. Schweißnass konnte ich nicht anders, als mich zu verlieben. (Info für Herrn W. K. aus G.: Nicht in Tang, sondern in das Crossfit-Training.) Am nächsten Morgen hatte ich zwar den übelsten Muskelkater, was mich jedoch noch mehr motivierte weiterzumachen.

Wenn ich nicht gerade im „New Concept“ rumhampelte, ging ich ins Kino „The MIG“ (die Filme sind in Englisch mit chinesischem Untertitel) oder tellerte durch Xi´ans Bars und Clubs.

Park Qin, eine Bar im Keller des Shuyuan Youth Hostels, die man mit Hilfe einer „Membershipcard“ betreten kann, bietet abwechselnd erstklassige Livemusik und einen Partymix.

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Park Qin Xi´an; Photostyle: die klassische Partyfotovariante

Den Pub sollte man möglichst früh aufsuchen, da dieser gegen 22 Uhr schon oft sehr voll ist. Die einheimischen Gäste sprechen in der Regel gutes Englisch, da sich hier aufgrund des Hostels auch viele Ausländer tummeln. Das Getränkeangebot, welches Cocktails und viele verschiedene Biersorten beinhaltet, ist somit auch in Englisch. Zu jeder Bestellung wird eine Schale mit scharfem Knabberzeug gereicht. Während ich mich mit den Jungs am Kickertisch versuchte (mein Bruder wird es kaum glauben, aber ich habe 4 von 4 Spielen gewonnen – Chinesen sind gut im Ping-Pong, aber scheinbar furchtbar schlecht im Tischfußball), konnte ich regelmäßig die mit Bier gefüllten 3-Liter-Säulen durch die Menge wandern sehen. Wie in anderen chinesischen Bars auch, können legal „Whippets“ gekauft und konsumiert werden. Aus gesundheitlichen Gründen ist die Einnahme des zu inhalierenden Distickstoffmonoxid (Nitrous Oxide) mehr als fraglich. Kai verriet mir, dass diese Bar unter Xi´ans Jugend auch als Aufreißer-Bar bekannt ist. Obwohl das Feiern hier das reinste Vergnügen ist, ist eines auf jeden Fall für mich sicher: Ich würde bei der Geräuschkulisse nicht in dem Hostel schlafen wollen.

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The Provence Club in Xi´an

Eine weitere Variante des Feierns ist natürlich das Clubbing. Und in Xi´an ist die Auswahl gigantisch, wie beispielsweise der Liv Club und das gegenüberliegende Provence. Wenn man das Provence betritt, wird man von mindestens 5 Hosts im Anzug oder Hostessen im knappen, aber eleganten Outfit empfangen und zu seinem reservierten Tisch (für ca. 650 Yuan die Nacht) gebracht. Männer können sich auch noch Hostessen als Trinkgesellschaft hinzubuchen. Die Getränkepreise haben allerdings das deutsche Preisniveau. Zu den georderten Getränken werden auch viele verschiedene Snacks und Würfel für Trinkspiele (z. B. Single or Double) gereicht. Schere, Stein, Papier dient in modernerer und tänzerischer Fassung auch als Trinkspiel. Apropos Tanz. Tänze werden scheinbar Wochen vorher mit den Freunden einstudiert und geübt, zumindest tanzen alle Square-Dance-mäßig nach chinesischer Art den selben Tanz: Auf das Podest klettern, Position einnehmen. Jeder weiß, wo und in welchem Abstand er zur nächsten Person zu stehen hat. Schritt vorwärts, Schritt zur Seite, Drehung und das Ganze mit regungsloser Miene (und im besten Fall wird das Handy dabei bedient) wieder von Vorne. Minutenlang. Das Bild der Tanzzombies habe ich durch meinen individuellen Bewegungsstil leider zerstören müssen.

Zwischendurch treten richtige Tänzer (Hip Hop und Gogo), sowie coole Bartender mit beeindruckender Feuershow während des Cocktailmixens auf und die DJs wechseln regelmäßig. Witziger Weise bekommt man auch die Gelegenheit Kuscheltiere in Übergröße, Blumensträuße und Süßigkeiten zu kaufen. Um Mitternacht werden massenhaft Luftballons verteilt und Glitter aus Kanonen verschossen. Um die Sicherheit braucht sich auch niemand zu sorgen, da in jeder Ecke bewaffnetes Security-Personal steht. Würde aus den Boxen nicht der EDM-Bass hämmern und die Lichter flackern, könnte man auch meinen, versehentlich in einer Polizeistation gelandet zu sein. However, die Partys sind genial.

 

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Nächtliche Beleuchtung in Xi`an

Insbesondere abends kann man gut und günstig essen in Xi´ans Muslim Quarter. Auch wenn ich den Fokus auf Xi´ans Nachtleben (bei Nacht einfach wunderschön beleuchtet – eine nächtliche Tour auf dem Roller lohnt sich) richtete, habe ich zumindest das Xi´an Museum bei der „Kleinen Wildganspagode“ besucht.

 


2 Gedanken zu “China – Chillen in Xi´an

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