China – Chengdu und der Unialltag

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Der Stier als Uni-Maskottchen

In Chengdu durfte ich gegen eine einfache Unterkunft und Essen für 2 Wochen den Studenten der Sichuan Agriculture University Nachhilfeunterricht in Englisch und Deutsch geben. Daraus ergaben sich für mich persönlich immer die interessantesten Informationen über das Sozialleben in China. Beispielsweise wusste ich nicht, dass es in Tibet Trommeln aus Menschenhaut gibt oder sich alle chinesischen Frauen über 50 kg fett fühlen, was nicht zuletzt dem Schönheitswahn und dem Ideal der chinesischen Frau mit reiner weißen Haut, zierlicher Figur, großen Augen und langen schwarzen Haaren, geschuldet ist. Weiterhin erfuhr ich, dass Frauen wie auch Männer sogenannte „Idole“ aus der Film-, Musik- oder Sportbranche haben, die sie anziehend finden. Allerdings ist das nur bedingt mit der Vorstellung des Fan-Seins zu vergleichen. Das Idol verkörpert mehr den nach den eigenen Vorstellungen perfekten Mann oder die perfekte Frau für sich selbst. Viele Frauen gaben mir gegenüber an, koreanische Männer besonders toll und cool zu finden. Chinesische Frauen nennen ihre männlichen Idole übrigens auch „Ehemänner“, während umgekehrt die Männer keine besondere Bezeichnungen für ihren Schwarm haben. Die Zahl an „Idolen“ ist nicht begrenzt.

 

Zurück zur Sichuan Agriculture University. Das Alltagsleben eines Studenten sieht hier folgendermaßen aus: Aufstehen, Kurse, Vorlesungen und Unterrichte besuchen bis ca. 12 Uhr, dann Nahrungsaufnahme für 30-45 Minuten und anschließend Hausaufgaben abwechselnd mit dem obligatorischen Mittagsschläfchen (Kopf auf der Schreibtischplatte) bevor es dann 2 Stunden später mit den nächsten Projekten oder Tests, wobei hier wöchentliche Test die Regel sind, weitergeht und das oftmals bis in den Abend (ca. 21 Uhr) hinein. Die meist 7-stöckigen Unterkünfte befinden sich auf dem Universitätscampus und ein Zimmer mit Toilette wird von 6 Personen bewohnt. In einem Gebäude leben 756 Studenten.

Die Duscheinheiten befinden sich im Erdgeschoss oder Keller. Auf dem Dach wurde durch gläserne Pavillons Platz zum Lernen geschaffen. Sind diese voll, wird sich in die universitätseigene Bibliothek für das Pauken zurückgezogen. Mir war leider nur erlaubt die Unterkünfte für Frauen zu betreten, daher kann ich nicht sagen, ob es bei den Männern genauso aufgebaut ist. Aber ich weiß auch nicht, ob ich mir das vermeintliche Chaos hätte antun wollen. Meine vage Vorstellung von 6 Männern auf engstem Raum und deren Privatkram genügt mir zunächst. Für sämtliche Wohnheime gilt jedoch, kein Betreten ohne Registrierung bei der 24h-Wache in den Eingangshallen der Häuser. Ebenso muss jedes Verlassen des Gebäudes mit einem Computer, Laptop, Notebook oder Tablet, um eventuellen Diebstählen vorzubeugen, registriert werden. Die seltene Freizeit wird unter anderem auf den Basketballspielfeldern der Uni verbracht. Legendäre Campus Partys sucht man vergebens, das Lernen steht voll und ganz im Vordergrund.

Die Universität ist nach chinesischen Maßstäben und mit nur ca. 20.000 Studenten sehr klein und übersichtlich. Dafür kann aber mit Recht behauptet werden, dass sich hier ein Zentrum für Chengdus zukünftiges Umweltbewusstsein bildet. Witziger Weise in einer Stadt, mit enorm hoher Luftverschmutzung. An manchen Tagen konnte ich nur 5 Meter weit schauen.

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Luftverschmutzung in Chengdu

Meine karg ausgestattete Unterkunft lag nicht auf dem Campusgelände, sondern 500 Meter davon entfernt in den typischen Hochhaussiedlungen mit eigenen Parkanlagen und Fitnessbereich, in dem ich mich überwiegend aufgehalten habe.

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Fitnessbereich in einer Wohnsiedlung in Chengdu

In Chengdu wird, wie in den meisten südlichen Städten Chinas, nicht geheizt. Dementsprechend ist es selbst in den Wohnungen immer arschkalt, Wäsche trocknet nicht richtig, alles ist klamm und riecht irgendwann etwas modrig. Nach dem Zwiebelprinzip gekleidet und immer mit Wärmflasche unterwegs, konnte ich das irgendwie überleben. Für 2 Tage gab es aufgrund geplatzten Leitungen in dieser Wohngegend auch kein fließendes Wasser mehr und in unserem Haus mit 24 Stockwerken, habe ich auch einen eintägigen Stromausfall verursacht. Im Halbschlaf um 5 Uhr morgens betätigte ich den Lichtschalter im Wohnzimmer, es knallte, die Glühbirne verteilte sich im gesamten Raum und mein Schreckensschrei hatte mit Sicherheit die Nachbarn 3-10 aufgeweckt. Nun gut, ich war dann wenigstens auch richtig wach.

Da ich mehr Freizeit als die Studenten hatte, konnte ich in Chengdu auch auf Entdeckungstour gehen. Unbedingt empfehlenswert ist der kleine und gemütliche Nightfood Market gegenüber der Sichuan Agriculture University. Sehr scharfes und frisches Essen zu Studentenpreisen. Auch sollte man sich an Chengdus scharfen Hot Pot probieren. Achtung, Suchtgefahr!

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People´s Park Chengdu

Chengdus geschichtlichen Hintergründe und alles rund um die Puppenspielerkunst kann man im kostenlosen Chengdu Museum am Tianfu Square erfahren.

Viele verschieden angelegte Gärten mit unterschiedlichen Pflanzenthemen und Erholung bei der Beobachtung von unzähligen Kois findet man im kostenfreien Peoples Park.

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Blütentee

In Chengdus Altstadt lässt die Kuanzhai Alley alle Shoppingherzen höher schlagen. Neben massenhaft grandiosen Teeshops, kann man sich auf der Straße auch die Ohren reinigen lassen. Sehr leckere Gewürzmischungen findet man im unten abgebildeten Laden.

Weiterhin gefiel mir ausnahmsweise ein Parfumshop mit dem Namen „Scent Library“ ganz gut, weil es hier sehr ungewöhnliche und lustige Duftnoten, wie z. B. den Dirt Fragrance (riecht wirklich nach Dreck) gibt

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Dirt Fragrance in der Scent Library
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Für den einen Freund, der von Eistoppings nie genug haben kann

3 Gedanken zu “China – Chengdu und der Unialltag

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