China – Durchatmen in Kunming

Mit China Eastern Airlines habe ich mich auf den Weg von Chengdu nach Kunming begeben. Der Flug dauerte ungefähr eine Stunde, aber der Service im Flieger war super. Trotz der kurzen Flugdauer wurden Snacks und Getränke gereicht. An Kunmings Flughafen fahren in regelmäßigen und kurzen Abständen Shuttlebusse in sämtliche Stadtbezirke für 13 Yuan. Die Tickets bekommt man draußen an den Ausgängen in den Verkaufshäuschen. Ein überteuertes Taxi kann man sich somit sparen.

In Kunming kann ich den strahlend blauen Himmel mit all seinen Wolken wieder sehen. Hier scheint auch die Sonne, welche ich seit fast 3 Wochen aufgrund der versmogten Luft im Norden Chinas kaum zu Gesicht bekommen habe. Gerade im Vergleich zu Chengdu ist Kunming ein wohltuendes Sauerstoffzelt.

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Mountainbiketour zum Dian Lake

Das muss natürlich ausgenutzt werden. Das erste was ich also mit meinem Host Frank unternahm, war eine 70 km lange Mountainbike-Tour durch Kunmings Straßenverkehr zum wunderschönen Dian Lake. Mit dem kleinen Hang zur Lebensmüdigkeit und dem Interesse zu waghalsigen Aktionen, kann Fahrradfahren im chinesischen Großstadtverkehr eigentlich ganz amüsant werden. Wir sind auch nur dreimal in den Gegenverkehr geraten, an den Stellen wo kein Polizist mit den Armen fuchtelnd und der Trillerpfeife im Mund versucht etwas Ordnung in das Geschehen zu bringen.

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Beer and cock tall

Schweißnass – bestimmt nicht vor Anstrengung – am See angekommen, konnten wir die atemberaubende Aussicht auf den Dian Lake genießen. An dem See ist es so windig, dass dieser immer Wellen schlägt. Die Möwen dazu vermitteln einem ein bisschen das Gefühl, an der Nordsee zu sein. Am Damm des Sees in einer kleinen Imbissbude habe ich wieder geniale, englische Übersetzungen entdeckt. Neben Bier kann man hier auch große Penisse kaufen.

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Ausblick am besagten Altenheim

Die Fahrräder parkten wir in einem wunderschönen, etwas verstecktem Altenheim, welches wie ein Tempel angelegt ist, in der Siedlung Sujia Village und wanderten von dort ca. 10 km durch einen Wald den Xi Shan (Western Mountains) zum Dragon Gate hoch. Sonntags sollten Touren zum Dian Lake und zu den Western Mountains unbedingt ganz früh morgens begonnen werden.

Auch interessant ist Kunmings Universitäten-Viertel, welches aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens auch „Ghost Town“ genannt wird. Wenn es hochkommt, konnte ich gerade mal ein Auto alle 20 Minuten registrieren. Also eine tolle Abwechslung zum geschäftigen Treiben in der Downtown. Die riesigen Universitätsgelände können auch von Besuchern besichtigt werden. Yunnans schönste Uni soll die Yunnan Normal University in Kunming sein, in der ich auf kalte, sehr scharfe Nudeln in der Universitätskantine eingeladen wurde.

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Kalte Reisnudeln mit scharfer Erdnusssauce

Aber auch die anderen Universitäten zumeist mit großen Park- und Seeanlagen lohnen für eine Besichtigung. Großer Vorteil ist auch, dass die meisten Studenten sehr gutes Englisch sprechen und neugierig den Kontakt zu einem suchen und sogar eine Privatführung durch die Uni anbieten. An einem Tag habe ich es geschafft, mir 3 Universitäten anzuschauen.

Kunming bietet sich auch als guter Ausgangspunkt für Tagesausflüge zum Shilin-Forest (Steinwald) an, da dieser mit dem Bus innerhalb von 2 Stunden zu erreichen ist. Hat man sich in der Downtown einquartiert, ist es eigentlich auch relativ einfach dorthin zu gelangen. ABER! Im Internet heißt es, dass von der East Coach Station Busse zum Shilin-Forest fahren. Diese Metrostation ist auch schon überall in den Metroplänen verzeichnet. Allerdings existiert diese noch gar nicht und die Bauarbeiten werden voraussichtlich erst in 2 Jahren abgeschlossen sein. Ganz schön scheiße, wenn man das vorher nicht weiß und dann 3 Stunden morgens damit verschwendet, den richtigen Weg zu finden. Stattdessen fährt man also zur Metrostation „Jiao San Qiao“ und nimmt von dort den Bus K9 zur East Station. Auch wichtig zu wissen: Die Metrostation „Kunming Railway Station“ führt nicht zur Kunming Railway Station, sondern zu einer viel befahrenen, mehrspurigen Straße. Beim Verlassen der Station kann sich auf Überfälle von Taxi- und Rikschafahrern eingestellt werden, die einem zur ca. 2 km entfernten Railway Station kutschieren wollen. Cleverer ist es also an der Metrostation South Road auszusteigen und von dort ca. 500 m zur stark überwachten Kunming Railway Station zu laufen. Dieser Bahnhof ist garantiert der am schärfsten überwachte Bahnhof Chinas. Im Jahre 2014 metzelten 12 Terroristen über 70 Menschen mit Messern und Schwertern ab. Seitdem wird alles doppelt und dreifach kontrolliert. Die Sicherheitsvorkehrungen sind wesentlich strenger als an Flughäfen, sämtliche spitze Gegenstände, jedes Taschenmesser, sogar Feuerzeuge und Streichhölzer werden konfisziert. Jedoch ist es nicht ganz unmöglich, zu schmuggeln… Bei mir haben sie lediglich eines von 3 Messern und eine Packung Streichhölzer gefunden. Dazu muss ich aber sagen, dass ich einfach den „liebes-Ausländermädchen-welches-kein-Chinesisch-spricht-Bonus“ habe. Vorstellbar ist, dass bei Einheimischen oder ausländischen Männern noch strenger kontrolliert wird.


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