Myanmar – Nur ein Wort: Thabarwa

Ein Meditationszentrum in Myanmar für Jedermann.

Nur eine vage Wegbeschreibung, wo sich der besagte Ort befindet.

Von Guilin nach Yangon, war zunächst ganz einfach. Erst mit dem Schnellzug nach Guangzhou und von dort mit der Metro weiter zum Flughafen Baiyun in Guangzhou. Mein erster Flug ging mit Air Asia nach Bangkok und da ich zwei voneinander unabhängige Flüge gebucht hatte, musste ich am Flughafen Don Mueang erst mein Gepäck abholen und wieder einchecken, natürlich nach einer fünfstündigen Wartezeit mitten in der Nacht. Mit Nok Air – eine thailändische Billigfluggesellschaft mit exzellentem Service – weiter nach Yangon.

Vom Flughafen in Yangon nach Than Lyin, wo sich Thabarwa befindet, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln allerdings mehr als ein Abenteuer. An unaufdringlichen (ohne Ironie) Taxifahrern vorbei findet man beim Verlassen des Flughafengebäudes zur Rechten nach ca. 1 km und einigem Herum-Gefrage eine Bushaltestelle, an der Busse in Yangons Downtown bzw. zur Sule Pagoda fahren. Bei jedem anfahrenden Bus sollte man ganz genau hinhören, was die Busbegleiter aus den Türen rufen. Und auf jeden Fall immer nachfragen, ob das wirklich der Bus ist, in den man steigen möchte. Busnummern oder angeschriebene Destinationen braucht man nicht zu suchen, diese existieren schlichtweg nicht. Der Busverkehr ist privatisiert, was bedeutet, der schnellste Bus an den Haltestellen bekommt die Kunden. Dementsprechend wird auch gefahren, ein richtiges Anhalten sollte nicht erwartet werden. In meinem Fall haben mir an der Bushaltestelle wartende Passagiere Bescheid gegeben, welcher Bus der richtige für mich ist. Mitsamt meinem Gepäck bin ich also in den zwar langsam fahrenden Bus gesprungen und wurde von den hilfsbereiten Busbegleitern und Passagieren in den schon bereits überfüllten Bus hineingezogen. Was im Übrigen nicht daran hindert noch mehr Passagiere mitzunehmen. Irgendwo habe ich mir etwas zum Festhalten gesucht und den angenehmen Fahrtwind der immer offenstehenden Tür genossen. Mir blieb ja auch nichts anderes übrig. Würden hier die Türen geschlossen werden, hätte ich mit meiner Reiseübelkeit mit Sicherheit die Arschkarte. Stehend mit zusätzlichem Gewicht von ca. 27 kg (Gepäck in China nur um 2 kg reduziert), bei 32 Grad dicht an dicht mit nicht immer unbedingt frisch geduschten Einheimischen für eine Fahrtzeit von 1,5 Stunden, also wem da nicht zum Kübeln zu Mute ist: Respekt! Ein Hoch auf Super Pep. Der ganze Spaß kostet übrigens nur 200 Kyat. An der Sule Pagoda angekommen, heißt es dann den nächsten Bus zu finden. Auch hier ist wieder Durchfragen angesagt, wobei man aber innerhalb von 15 Minuten seinen passenden Bus finden sollte. Dieses Mal hatte ich im Bus dreifaches Glück: Einen Sitzplatz, einen Betelnuss kauenden Mann im Bus, der in Thabarwa arbeitet und mich direkt ins Meditationszentrum bringen wollte, zugegeben vertrauenerweckend sieht anders aus, wenn die Zahnstumpen blutrot verfärbt von der Betelnuss sind. Und dann war da noch eine Studentin namens Taylor, die perfektes Englisch sprach und mir direkt ihre Handynummer und einen kleinen Burmesisch-Einführungskurs, sowie Tipps zu Sehenswürdigkeiten gab und mir sogar die Busfahrt in Höhe von 300 Kyat bezahlte, nachdem ich sie lediglich fragte, ob die Busfahrer auch große Scheine akzeptieren. Auf meinen fragenden Blick entgegnete sie wie selbstverständlich: „Weil ich helfen will.“ Als wäre das die normalste Sache der Welt, Fremden ein Busticket zu spendieren. Kurze Randnotiz zu den Automatic Teller Machines im Flughafen, die natürlich nur große Scheine ausspucken (wenn man keine brandneuen US-Dollar oder Euro zum Austausch im Gepäck hat): es werden immer Gebühren in Höhe von 5.000 bis 6.500 Kyat berechnet. Wobei die ATM kurz vor dem Ausgang am Flughafen mit 5.000 Kyat den besten Kurs bietet.

However. Irgendwann nach ca. 1,5 Stunden Fahrt und einer Stunde Warten an der Tankstelle, weil ungefähr 15 Busse an einer Zapfsäule tanken mussten, kam ich dann 1,5 Tage seit Verlassen von Guilin erschöpft und furchtbar müde, an mein Ziel.

Bett in Thabarwa
Bett in Thabarwa – Sieht gemütlicher aus, als es ist

Im Meditationszentrum wurde ich mit meinen Personalien registriert, bekam „Bettwäsche“ in die Hand gedrückt und eine grobe Erklärung, wo ich die Behausung für die Freiwilligen auf dem Gelände finden konnte. Zimmer und Bett (Holzplatte, keine Matratze) kann man sich dann aussuchen. Je nach dem, wo etwas frei ist. Wasser- und Stromausfälle sind natürlich an der Tagesordnung. Mittlerweile bin ich das ja gewohnt.

Für diejenigen, die zu faul sind, den Link zu öffnen, hier eine kurze Erklärung, was Thabarwa eigentlich ist:

 

Thabarwa von oben
Thabarwa von oben

Thabarwa ist ein Meditationszentrum betrieben von buddhistischen Mönchen und Nonnen, welches ausschließlich von Spenden und Almosen finanziert wird. Derzeit leben hier inkl. Mönchen und Nonnen ca. 3.000 Menschen jeder Religion und Herkunft sowie Verstoßene, von der Gesellschaft abgelehnte Menschen wie Obdachlose, Kranke, Verwirrte, Behinderte, Verletzte, Arme, Alte, Waisenkinder und Junkies (auch Kleber schnüffelnde Kinder mit Babys).

 

Dementsprechend ist das Zentrum recht unterentwickelt und benötigt ständig Helfer und Freiwillige für verschiedenste Aufgaben und zur Unterstützung bei der Pflege von Alten und Patienten, bei Kinderbespaßung oder Unterrichtseinheiten. Natürlich kann man selbst nebenbei auch noch alle anderen Vorzüge wie Meditation, die kostenfreie Unterkunft und zwei Mahlzeiten am Tag genießen.

So, aber was mache ich in Thabarwa jetzt eigentlich? Gute Frage. Und die stellt sich garantiert jeder, der zum ersten Mal kommt.

Almosenkollekte, Selfie im fahrenden Truck
Almosenkollekte, im fahrenden Truck

Bei allabendlichen Meetings werden die Aufgaben für den nächsten Tag unter den Freiwilligen verteilt, dabei fiel für mich unter anderem die Almosenkollekte mit den Mönchen und Nonnen ab. Alles, was an Nahrungsmittel den 3.000 Menschen zur Verfügung steht, wird jeden Morgen von 3-5 mit Mönchen besetzten Trucks eingesammelt. Um 07:00 Uhr morgens geht es dann also nach Yangon in immer verschiedene Stadtbereiche um barfuß und schweigend im Entenmarsch für 2 Stunden durch die Straßen zu ziehen und Essen sowie Geld von den bereitwillig gebenden Bürgern einzusammeln. Ich schleppe übrigens nur die Plastikkörbe voll mit Essen. Eine Mönchskutte brauche ich nicht überzuwerfen, aber muss dafür auch barfuß und schweigend mitgehen. Oder eher tänzelnd, immer darauf achtend nicht in irgendwas Ekeliges oder Schmerzhaftes zu trampeln (wer schon mal in Asien gereist ist, wird wissen, was ich meine). Im Übrigen müssen die Menschen, die Almosen übergeben auch barfuß sein. Bei den Nonnen läuft es ein bisschen anders ab, während die Mönche mehr Essen bekommen, wird den Nonnen eher Geld zugesteckt. Im Gegensatz zu den Mönchen, werden hier die Schuhe anbehalten und es wird beim Sammeln viel gesungen und gelacht. Ich gehe, ausgestattet mit einer Schüssel, neben der ersten Nonne her und sammele Geld von Passanten und von den Bürgern, die „das Geld zum Fenster raus werfen“ ein. Diese Aussage ist hier wörtlich zu nehmen. Unter diesen Umständen traf mich auch schmerzlich eine Knoblauchknolle, zusammen verpackt mit dem Geld in einer Plastiktüte. Lasst euch gesagt sein, Knoblauch aus dem 4. Stock geworfen tut einfach weh. Na ja, ich habe es überlebt. Nie hätte ich erwartet, dass die Menschen so großzügig und gerne geben. Jedenfalls werden täglich alle in Thabarwa satt.

Auf dem Weg zur Almosenkollekte
Auf dem Weg zur Almosenkollekte

Thabarwa ist ein Zuhause für Jedermann. Man erwartet nur Elend, findet aber Glückseligkeit. Wer also nicht nur reisen will, sondern auch etwas erreichen und Gutes tun möchte, sollte einen mindestens ein- bis zweiwöchigen Abstecher nach Thabarwa machen. Derzeit werden im Übrigen unbedingt Helfer aus dem medizinischen und pflegerischen Bereich gebraucht! Warum also nicht einmal Urlaub mit dem Gemeinnützigen verbinden?


Ein Gedanke zu “Myanmar – Nur ein Wort: Thabarwa

  1. Wenn ich dir mit Wissen helfen kann damit du den Menschen da helfen kannst beschreibe mir auf WhatsApp was anliegt. Tricks und Kniffe hab ich ja in der Ausbildung gelernt

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