Myanmar – Ruinenstadt Bagan

Schlafposition Nachtzug Yangon - Bagan
Schlafposition Nachtzug Yangon – Bagan

Mit steifen Gliedern und vor Kälte schmerzenden Muskeln erhebe ich mich von der viel zu kleinen Sitzbank im 2. Klasse Abteil, um endlich die wärmenden Sonnenstrahlen beim Verlassen des Wagons am Zielbahnhof in mir aufzunehmen. Genüsslich streckend marschiere ich das Gleis entlang, während das betagte Isländerpärchen – Diplomaten, die ich in Yangon am Bahnhof bereits kennenlernte – fluchend aus der 1. Klasse steigt. „Oh, selbst in der 1. Klasse schläft man schlecht?“ „Absolute Katastrophe, viel zu kalt. Wenigstens hatte ich genügend Bier dabei, wäre sonst richtig scheiße gewesen.“, antwortete mir der Mittsechziger. Allerdings seinem Blick nach zu urteilen, hätte ihm eine Flasche Whiskey besser gefallen.

Aber recht hatte er. Während ich mich noch 18 Stunden vorher gefragt hatte, warum die Einheimischen bei 30 Grad alle mit warmen Winterdecken in den Zug stiegen, konnte ich mir diese Frage nun beantworten. Hätte ich gewusst, dass sich die Temperaturen in Myanmar auf dem Land so abkühlen und die Zugfenster bei Nacht ganz geöffnet bleiben, hätte ich mir auch vorher eine Decke besorgt. Stattdessen musste Tantes Seidenschal zwangsläufig als Decke herhalten, was eher dem Gedanken als dem Zweck galt. Erfreulicherweise hatte ich wenigstens keinen Sitznachbarn, mit dem ich mir die 1 m lange Sitzbank hätte auch noch teilen müssen. Für 16-18 Stunden. Ist man ansatzweise eingenickt, wird man sogleich von Verkäufern geweckt, ob man nicht Essen oder Getränke kaufen will. Was ich im Allgemeinen befürworte und unterstütze, da dies eine der wenigen Einnahmequellen der Ärmsten ist. Allerdings kann es nach 20 verschiedenen Verkäufern und eventuell 20 Wasserflaschen später nervig werden.

  • „Water? You can buy!“
  • „No, thanks!“
  • „But cheap!“
  • „I know, but I don´t need it.“
  • „Really?“
  • „Really. I don´t want to buy this bottle of water. But thank you very much.“
  • „Ok, I come back later.“
  • „Nooooo!“

Ich weiß, wer günstig reisen will, sollte sich nicht beschweren. Also bin ich für das Zugticket in Höhe von 6.000 Kyat mal leise. Für den Preis kommt man nicht mal von Warendorf nach Telgte, während ich hier einmal quer durch das ganze Land komme. Und die Züge sind sehr pünktlich! In Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis kann sich die Deutsche Bahn also noch was von Myanmar abschauen.

Im Großen und Ganzen ist Zugfahren in der untersten Klasse in Myanmar in jeder Hinsicht ein Erlebnis, welches ich jederzeit wiederholen würde. Mit Decke.

Gut. Nun stehe ich also unausgeschlafen mit 5 weiteren Touristen am Bahnhofsgleis in Bagan und sehe die Horde Taxifahrer auf uns zustürmen. Auf einen Touristen kommen ca. 5 Fahrer. Folgendes Ablenkungsmanöver hilft eigentlich meistens: Immer als letzter der Gruppe folgen, vorgeben, dass man zu irgendwem gehört – dieser wird dann zugequatscht – und dann über einen Seitenweg heimlich ausweichen. Prima, auch dieses Mal Erfolg gehabt und direkt zum Tuk Tuk, welches die Einheimischen benutzen, vorgedrungen. Dieses kostet, statt eines Taxis für 16.000 bis 20.000 Kyat, nur rund 2.000 Kyat.

Ayeyarwady River Bagan
Ayeyarwady River in Bagan

Traurigerweise haben sich an Bagans Bahnhof die Fahrer der Tuk Tuks und Taxen abgesprochen, dass Ausländer nicht in die Tuk Tuks steigen „dürfen“. Ist natürlich Nonsens und aus Protest wollte ich mich schon zum Hitchhiking auf den Weg machen, bevor ich einen Polizisten fragte, was der eigentliche Taxipreis sei: „6.000 to 7.000 Kyat.“

Ich bin ja auch nicht immer nur fies. Also mit der Information, sehr zum Missfallen der Taxifahrer, zu den noch verhandelnden anderen Touristen. Endergebnis der Diskussion: 4.000 Kyat pro Person, bei 4 Personen in einem Taxi. Besser als 16.000 Kyat pro Person. Wenn es eine Sache gibt, die ich bisher auf meiner Reise gelernt habe, dann, dass das Leben zum großen Teil eine Verhandlungssache ist.

Da finde ich mich also mit den Isländern und einer weiteren Deutschen namens Heike im Taxi auf dem Weg zum Bagan Central Hotel in New Bagan wieder. Aufgrund der Hauptreisezeit habe ich im Voraus ein Bett im Dormitory gebucht. Beim Einchecken werde ich erfreulicherweise jedoch für den gleichen Preis in einem Zweibettzimmer untergebracht, welches ich mir mit Heike teile.

Pagode in Bagan
Pagode in Bagan

Bagan ist eine archäologische Zone für welche ein Eintrittsgeld in Höhe von 5.000 Kyat pro Tag zu zahlen ist. Käuflich zu erwerben ist allerdings nur ein Ticket für 5 Tage in Höhe von 25.000 Kyat. Ohne Ticket wird der Zutritt zu den bedeutendsten Pagoden und Tempeln verwehrt.

Darunter ist auch Ananda in Old Bagan, welchen wir zufällig während des einwöchigen Ananda-Festivals besichtigen. Dementsprechend herrscht reger Betrieb durch überaus geschäftstüchtige Verkäufer vor dem Tempel und die Bewohner Bagans tummeln sich vor den offenen Verkaufsständen. Der Tempel sowie das Gelände an sich ist nicht überfüllt. Teilweise hat man ganze Korridore mit hunderten von in die Mauer bis unter die Decke gemeißelten Buddhas oder den Innenhof ganz für sich alleine.

Die Distanzen zwischen Nyaung U, sämtlichen Pagoden, Old und New Bagan sind zu Fuß vor allem bei der Hitze tagsüber eine Herausforderung. Aber keine Panik. An jeder Ecke kann sich ein E-Bike (nicht wie in Deutschland als elektronisches Fahrrad bekannt, sondern ein elektronischer Roller) für 5.000 Kyat pro Tag geliehen werden.

Fahrradreparatur on the road
Fahrradreparatur on the road

Als Fan von aktivem Sightseeing und Bewegung bevorzuge ich die Ausleihe eines Fahrrades. Normale Fahrräder sind schon für 2.000 Kyat erhältlich. Akzeptable Mountainbikes bekommt man mit etwas Verhandlungen schon für 4.000 Kyat pro Tag. Natürlich kann es durchaus passieren, dass das Fahrrad bei der Benutzung der wenig bis gar nicht ausgebauten Straßen und Wege, insbesondere durch das überall wachsende dornige Gebüsch, kaputt geht. Leider blieb auch meine Freundin Heike nicht davon verschont und hatte gleich dreimal einen Platten mit zwei verschiedenen Fahrrädern an verschiedenen Tagen. Dafür ist der Service top. Innerhalb von 30 Minuten ist jemand vom Fahrradverleih bei dir um es unentgeltlich zu reparieren.

Oder man joggt einfach mal morgens durch die wüstenähnliche Pagodenlandschaft.

Joggen in Bagan
Joggen in Bagan

Wer scharf darauf ist, von Affen bestohlen und gegebenfalls besprungen oder gebissen zu werden, kann sich auf den Weg zum Mount Popa für den Sonnenuntergang machen. Meiner Meinung nach, ist dieser nicht vergleichbar mit den Sonnenauf- und -untergängen, die von den Ruinen der Pagoden und Tempeln aus beobachtet werden können. Heißluftballonfahrten über Bagan sind von 300-400 € erhältlich.


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