Vietnam – Ha Long Bay

Fischerboote im Sonnenuntergang, „Floating Boat Markets“, pyramidenförmige Stroh- und Bambushüte, Lastenträger, Frühlingsrollen, Reisfelder. Was kommt einem als erstes in den Sinn, wenn man diese Wörter hört? Vietnam. Ein Vietnam, wie es vielleicht vor 50 Jahren war. Sicherlich gibt es in Vietnam auch Ecken, die dem Beschriebenen gleichen. Leider habe ich das Land noch nicht so kennengelernt.

Ha Long Bay instead of Hanoi
Lieber Ha Long Bay als Hanoi

Für mich ging es nach meinem wundervollen Chiang Rai Kurztrip also weiter nach Hanoi. Dieses Mal musste ich bei Nok Air nicht noch einmal in Bangkok mein Gepäck abholen und ein 2. Mal einchecken. Meiner Meinung nach ist Nok Air die beste Billigfluggesellchaft, mit der ich je geflogen bin. Überaus freundlicher, hilfsbereiter und Englisch sprechender Service – am Schalter, wie auch im Flugzeug. Ein Snack während des Fluges und das Gepäck von 30 kg ist bei Flügen nach Myanmar und Vietnam inklusive.

Am internationalen Flughafen in Hanoi kann man gemütlich und einfach mit dem Bus für 30.000 Dong in Hanois Zentrum, beispielsweise zur Oper oder zum Bahnhof, fahren. Für mich ging es von hier mit dem Scooter-Taxi zu meiner nächsten Couchsurfingstation.

Liebevoll und fürsorglich wurde ich von meinem Host Dzung und ihrer 10-jährigen Tochter – die für mich extra ihr Zimmer geräumt hat, sodass ich in ihrem Bett schlafen konnte – empfangen. Dzung lud mich und eine weitere Couchsurferin zum vietnamesischen Familienabendessen auf ihrem Wohnzimmerteppich ein. In Vietnam scheint das die gängige Variante das gemeinschaftliche Essen zu genießen. Es ist echt gemütlicher und witziger, als es scheint. Ich könnte mich daran gewönnen, auf dem Boden zu sitzen und zu futtern. Also Familie: Wenn ich wieder da bin, wird das Weihnachtsessen auf Omas flauschigem Teppich vernascht.

Da mir aber Hanoi gar nicht gefiel, ich mehrere Verkehrsunfälle an nur einem Tag beobachten musste und bevor ich noch eines grausamen Verkehrstodes auf Hanois Straßen sterben würde (China und Myanmar sind Kindergarten im Gegensatz dazu), blieb ich nur zwei Nächte und einen Tag. Ursprünglich wollte ich meine Flucht nach Sapa antreten, aus irgendeinem mir unbekannten Grund schlug meine Stimmung am Verkaufsschalter der Busstation My Dinh jedoch um und ich kaufte ein Ticket für 80.000 Dong nach Bai Chay. Dafür musste ich zwar eine Stunde an der Busstation warten, wenigstens sollte die Busfahrt aber nur 4 Stunden dauern, anstatt 8 Stunden nach Sapa und die Wartezeit konnte ich mir mit einem richtigen Baguette versüßen. Ja, in Vietnam bekommt man an jeder Ecke endlich wieder richtiges Baguette, knuspriges, ofenfrisches Baguette. Nicht diese im Maul pappig werdenden, süßen Matschbrötchen, mit irgendwelchen seltsamen Füllungen wie man sie überall in Asien bekommt.

Vietnamesischer Raststättenparkplatz
Mit dem Bus wird natürlich so nah wie möglich an den Eingang der Raststätte gefahren. Schade eigentlich, dass man nicht ganz reinfahren kann.

Die Busfahrt insgesamt war wenig spektakulär, aber angenehm leer, für Mittagessen wird an überteuerten Raststätten gehalten. Die außerhalb liegende Busstation in Bai Chay ist ca. 7 km vom Zentrum entfernt. Von dort fahren jedoch ständig Kleinbusse für 7.000 – 12.000 Dong ins Herz von Bai Chay und den hauptsächlichen Attraktionen. Für 2,- € die Nacht inklusive Frühstück (!) habe ich mich im Ha Long Bay View Hostel mit eigenem Pub eingenistet. Eigentlich hätte ich in einem 8-Bett-Dormitory landen müssen, da diese jedoch ausnahmslos belegt waren, durfte ich ein Zweibettzimmer mit heißer Dusche, welches ich 3 von 5 Nächten nur für mich hatte, beziehen. Manchmal hat man einfach Schwein.

Das erste was ich immer mache, wenn ich in einem neuen Ort ankomme, ist die Gegend um die Unterkunft ablaufen. Beim Couchsurfen ohne Karte, wenn ich in Hostels oder Hotels nächtige, gönne ich mir den einen oder anderen Blick auf den Wegweiser. Die meisten Hotels bieten ja sowieso kostenlose Karten an und in Hostels ist meistens eine Karte für alle irgendwo zum Abfotografieren.

Gerade nach dem Reisen erfrischt ein Spaziergang Körper und Geist, weil man sich ja paradoxerweise beim Reisen so gut wie gar nicht bewegt. Also ich meine jetzt natürlich Bahn- und Busfahrten oder Flüge. Wobei ich mittlerweile begonnen habe, auf den Flughäfen meine Fitnessübungen durchzuziehen. Wider Erwarten stößt dies nicht auf Ablehnung, sondern auf Neugierde und sogar den einen oder anderen Nachahmer. Ich find´ das gut, Sport für die Welt!

However. Mein Spaziergang im Zentrum Bai Chays führte mich über eine baufällige Brücke, die sich an Felswänden entlangschlängelt und durch eine winzige, aufsteigende Gasse zwischen Wohnungen und Hauswänden auf einen Hügel hinauf. Nach einem ca. 20-minütigem Hike erreichte ich die Spitze und mir bot sich eine unglaubliche Aussicht über der Bucht von Ha Long und den aus Felsformationen entstandenen Inseln.

Aussichtspunkt Ha Long Bay
Aussichtspunkt Ha Long Bucht

Untypisch habe ich mich aus Faulheit auch auf einen vom Hostel organisierten Bootsausflug für 650.000 Dong um die kleinen Inseln hinreißen lassen. Keine Frage, das kann man günstiger direkt am Hafen bekommen. Aber ja, fuck it. Manchmal muss man auch mal andere für sich machen lassen. Dies gehört ebenfalls zu einigen Dingen, die ich erst durch das Reisen gelernt habe.

Bootstour Ha Long Bay
Ha Long Bay Bootstour – entsprechend der Bootsanzahl waren auch dermaßen viele Leute auf dieser Aussichtsplattform (wundert mich, dass ich so ein Foto ohne Arme und Handys im Bild hinbekam)

Der Tour gewann ich zwei positive Eigenschaften ab. Erstens habe ich ganz nette Urlauber kennengelernt, die mir auf meiner Weiterreise noch mehrmals in Vietnam zufällig begegneten und zweitens hat mich die Tour einfach nochmals bestätigt, dass mir diese Art des Reisens nicht liegt. Meine Zimmergenossin Rosa aus dem Hostel vertritt meine Meinung, aber hatte nach einem Motorradunfall (bemerkenswert: sie fuhr alleine mit ihrem in Vietnam gekauften Motorrad durch das Land) auch wie ich, für einen Tag die Zügel aus der Hand gegeben. Also gaben wir uns zusammen dem Strom der Masse hin und kümmerten uns um gar nichts, stiegen mit 20 anderen unter Zeitvorgaben aus dem Boot aus, wenn es etwas zu sehen gab und setzten uns beim Mittagessen auf die uns zugewiesenen Plätze. Für 45 Minuten durften wir wenigstens selbst das Ruder beim Kayaking übernehmen. Wer ist dabei klitschnass geworden, weil im Paddel unzählige Löcher waren? Klar, ich natürlich. Aber das war es auch schon an Abenteuer und Spannung bei dem Trip. Und scheiße, ja. Die Bootstour ist die Kaffeefahrt, die ich auf gar keinen Fall haben wollte. Während wir von Insel zu Insel schipperten, wurde Perlenschmuck und allerlei unnötiger Kram zum Verkauf feilgeboten. Das Schlimme war, eine Flucht vom Boot war unmöglich. Die einzige Rettung wäre der Sprung ins Meer gewesen.

Wider Erwarten war zumindest der weiße Sandstrand in Bai Chay menschenleer und quasi für mich reserviert, sodass ich hier jeden Tag die Ruhe und das Meer genießen konnte.

Sandstrand in Bai Chay
Mein kleines Paradies – Sandstrand in Bai Chay

Tantes Toilettencheck

Vietnamesische Raststättentoiletten
Die Damentoilette einer vietnamesischen Raststätte – ach, wie ich Sanifair vermisse.

Ja, die Toiletten an vietnamesischen Raststätten sind wohl nicht nur der Traum meiner Tante, sondern vermutlich der gesamten weiblichen europäischen Bevölkerung. Konversationen während des Toilettengangs sind hier auch nach allen Regeln der Höflichkeit von Antlitz zu Antlitz möglich. Natürlich ist dieses auch in der Hock-Klo-Variante zu bekommen.


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