Kambodscha – Koh Thmei

„Seit über einer Stunde stehe ich nun schon Knie tief in vietnamesischen Müll. Meine Haut scheint sich durch das Salzwasser schon beinahe aufzulösen und die Sonne brennt mir ins Gesicht. Mit voller Wucht haue ich die bestimmt 300erste „Cà Phê“-Plastikverpackung in meinen Mülleimer. Ja, ich lebe meine Wut an diesen Plastiktüten aus. Denn anders, als wütend kann man gar nicht werden, wenn man auf dem Strand einer fast einsamen Insel in Kambodscha steht und eine Müllwelle die nächste jagt…“

Ein weit verbreitetes Problem mit dem Müll in Asien. Ich bin froh, dass nicht jeder Tag so ist. Obwohl streng genommen sind die Müllwellen wesentlich bequemer für mich, als kriechend und in ständig gebückter Haltung den Sandstrand nach dem Schrott abzusuchen. Insbesondere das Herausschneiden von Seilen, Stricken, Fäden, Angelschnüren und sonstigem Gödens aus den Mangroven und Ästen, können einem den letzten Nerv rauben.

Müll Koh Thmei
Müll

Und trotzdem mache ich es gerne, da es eine sinnvolle Arbeit ist und für den heutigen Feierabend ist Kavitas leckerer Apfelkuchen mein Lichtblick. Dafür lohnt es schon mal, sich wieder voll motiviert in die nächste Welle zu schmeißen. Für 5 Stunden täglich übernehme ich die Beach-Müllabfuhr im Koh Thmei Resort im Ream Nationalpark und bringe mindestens 10 randgefüllte Eimer heim, um den Müll dort zu verbrennen.

Die beste und schönste Tageszeit zum Sammeln ist morgens zwischen 05:00 und 05:30 Uhr. Dann bietet sich mir ein paradiesischer Anblick auf der Insel Koh Thmei, wenn das Mondlicht durch die Dunkelheit auf der einen Seite des Meeres strahlt, während auf der anderen Hälfte die Sonne in einem glühenden Rot beginnt aufzusteigen.

Wer will bei so einer Location nicht Müllsammler werden?

Gruppenfoto Koh Thmei
Kleiner Resortgast, Kavita, Michael (mit Hündin Amy unter dem Arm) und ich

Vor 6 Jahren erfüllten sich Michael und Kavita ihren Traum und bauten sich ein kleines Resort auf der Insel auf. Das deutsche Pärchen, welches mich während meines Aufenthaltes in einem ihrer 8 gemütlichen Holzbungalows beherbergte, benötigte dringend Unterstützung bei der Beseitigung der angespülten Müllmassen. Spontan entschied ich mich also hier auszuhelfen. Weitere Hilfe im Tagesgeschäft des Resorts bekommen die beiden von 4 einheimischen Angestellten und dem deutschen Koch Harald.

Neben dem romantischen Sonnenaufgang genieße ich alle weiteren Vorzüge der Insel, wie beispielsweise Schnorchelausflüge, Hunde- und Schweinebespaßung, sowie das Lesen in der Hängematte. Sprichwörtlich kann ich die Seele baumeln lassen, denn es gibt hier kein Internet. Ich muss keine Mails beantworten, vergeude keine kostbare Zeit mit irgendwelchen Internetrecherchen oder -albereien und spiele nicht unnütz mit dem Handy herum. Auf Dauer zwar undenkbar für mich, aber für 2 Wochen ist dies doch mehr als angenehm.

Auf dem Weg ins Koh Thmei Resort
Auf dem Weg ins Koh Thmei Resort

Menschen mit schwachen Nerven können diese Seelenruhe nach der Anreise auch gut gebrauchen. Die hatte es nämlich in sich. Von Kampot kommend hatte der Minivanfahrer mich an einem Straßenrand in Ou Chamnar rausgeschmissen – oder nein, eher wurde ich von den bereits wartenden Rollertaxifahrern aus dem Van gezogen, einer hatte bereits mein Gepäck in der Hand. Nun muss man als einzelne Frau zwischen ca. 20 wild durcheinander redenden Männern erst mal zusehen, dass man sich Gehör verschafft. Ich stellte mich neben den Typen mit meinem Gepäck, legte eine Hand auf den Rucksack und fing laut an zu schreien. Damit war zunächst Ruhe, denn darauf ist keiner gefasst und der Schreck bei den Männern viel zu groß. Dann suchte ich mir den gelassensten und unaufdringlichsten Fahrer heraus und stieg mit Sack und Pack auf seinen Roller. Für 8.000 Riel wurde ich dann ins Fischerdorf Koh Kchhang über eine besonders staubige Straße, immer einem großen Betonmischer hinterher, verfrachtet. Der Fahrer brachte mich wenigstens direkt zum richtigen Boot (die Bezeichnung Fischkutter trifft es eher), wobei weit und breit kein Fahrer oder Besitzer des Bootes zu sehen war. Na ja, es stand Koh Thmei dran und so lud ich einfach mein Gepäck schon einmal auf das Bötchen.

Ungefähr 25 Minuten dauerte es, bis eine Einheimische vorbeikam, mir schmackhafte Süßkartoffeln zusteckte und erklärte, dass der „Kapitän“ in 5 Minuten da sei. Die Zeitangabe erfüllte sich wider Erwarten sogar. Gemächlich schipperten der Kapitän namens Han und ich an kleinen Hütten und Mangrovenwäldern vorbei in die offene See. Dann ging es richtig los. Insgesamt 4 Mal dachte ich ernsthaft, dass wir kentern würden. Die Wellen waren so stark und jedes Mal musste ich mich festhalten, um nicht aus dem Boot zu fallen, während Han hinter mir lachte und die Fahrt ohne Ende genoss. Ich bin mir nicht sicher, ob er sich nicht auch ein bisschen an meinen Schrecken ergötzte. Aber alles gut, wir sind schließlich heile angekommen.

Cäpt´n Han
Cäpt´n Han

Wer Ruhe, Entspannung, einen nicht überfüllten Strand und vor allem weg vom Online-Streß möchte, dem kann ich einen Aufenthalt im bisher einzigen Resort auf Koh Thmei nur ans Herz legen.


2 Gedanken zu “Kambodscha – Koh Thmei

  1. Hahahahaha
    ich kann mir richtig vorstellen wie du in nem Pulk Männer stehst die auf dich einsabbeln und du stumpf anfängst zu schreien.
    Schweine jetzt die neuen Lieblingshaustiere?

    Gefällt mir

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