Chile – San Pedro de Atacama

Februar 2016 – Reise in die Vergangenheit

Laguna Altiplanicas
Laguna Altiplanicas

Ungefähr 16 Stunden dauerte die Busfahrt von Salta in Argentinien nach San Pedro de Atacama in Chile. Während die Nacht, Dank des stürmischen Regens und der Klimaanlage, bitterkalt gewesen ist, erschlug uns beim Aussteigen bereits gegen 09:00 Uhr eine Hitzewelle. Ja, die Wüste hieß uns Willkommen. Froh darüber, dass die Stadt sehr klein ist, schleppten wir uns samt Gepäck zu unserem Hostel. Ausgesucht hatten wir uns so ein niedliches Eco-Hostel mit vielen gemütlichen Sitzecken und Küche.

Der erste Satz des Betreibers beim Einchecken in das La Casa EcoExplor glich mehr einer Belehrung und aus dieser wurde ein Vortrag über das Überleben in der Wüste. Klasse, ich wollte eigentlich nur nach einen Kaffee fragen… Daraufhin sah er mir eindringlich in die Augen und meinte: „Wir sind hier Eco! Hier gibt es keinen Kaffee. Du kannst unsere Tees trinken. Kaffee ist nicht gut für dich.“ Caro hatte Mühe nicht laut loszulachen.

Whatever. Er meinte es ja nur gut mit uns. Dann halt irgendwo in der Stadt einen Kaffee suchen und insbesondere einen ATM, da wir nur Argentinische Pesos in der Tasche hatten. Einen einzigen ATM haben wir in einer Apotheke gefunden, über den sich schon mehrere Reisende her machten.

Mit Simon, den wir im Bus bereits kennenlernten, stürzten wir uns mit unserem Bargeld auf sämtliche Autovermietungen. Unser Plan war, die Wüste mit einem Offroad-tauglichen Auto zu erkunden, was durchaus möglich gewesen wäre, allerdings waren alle Autos bereits vermietet. Gegen Nachmittag wurden wir schließlich doch noch fündig und vereinbarten mit der Vermietung einen Suzuki Jimny am nächsten Morgen um 08:00 Uhr abzuholen.

Typisch deutsch standen Simon und ich pünktlich um 08:00 Uhr vor der verschlossenen Pforte der Vermietung und warteten erst einmal. Und warteten. Bis ein Einheimischer von nebenan uns erklärte, dass die erst um 10:00 Uhr aufmacht. Hm, ok. Der Caro hatten wir eigentlich versprochen, sie gegen 09:00 Uhr aus unserem Eco-Hostel abzuholen. Ärgern wollten wir uns nicht, an der Situation konnten wir schließlich nichts ändern. Statt weiter erfolglos zu warten, gingen wir noch einen Kaffee trinken. Was sich ebenfalls als schwierig gestaltete, ein geöffnetes Lokal zu finden.

Gegen 10:00 Uhr kehrten wir zu besagter Autovermietung zurück, nur um zu erfahren, dass das Auto einen Unfall hatte und nicht mehr verliehen werden konnte. Spitze. Es war zum Mäuse melken.

Wicked Campervan
Marilyn Monroe Camper

Wir schlurften die Auffahrt wieder hoch, zurück zur Straße und blieben an einem Schild von „Wicked Campervan“ stehen. „Promotion, Campervan 2N3D! Take a picture naked with our Camper and we give you 25 % off.“ Simon und ich schauten uns an, nach dem Motto: „Wir haben eh nichts mehr zu verlieren.“ und spazierten schnurstracks zu der freundlich lächelnden Chilenin um uns nach den Preisen zu erkundigen.

RadschlagenOb wir die „Promotion“ jetzt in Anspruch nahmen oder nicht, bleibt ein Geheimnis. Fakt ist, wir bekamen einen super ausgestatteten Marilyn Monroe Campervan mit einem komfortablen Zeltdach zu einem guten Preis. Caro war ebenfalls begeistert und spontan entschlossen wir uns auch, die Nacht in der Wüste zu verbringen. Also schnell noch Nahrung und Wasser einkaufen – frisches und vor allem ansehnliches Gemüse sucht man in San Pedro de Atacama vergebens. Daher beschränkten wir uns auf zwei mehr oder weniger lecker aussehende Zuccinis, Tomaten, eine Packung Pasta, fertig abgepackte Milchbrötchen, ein kleines Glas Marmelade, Instantkaffee von Nescafe und 2 Flaschen Wein für Simon und Caro. Mit dem Tanken stieg dann unsere Aufregung und Vorfreude auf die Wüste. Wir hofften lediglich, dass es in dieser Nacht nicht so gewittern und regnen würde, wie die letzten Nächte. Ausgestattet mit einer schön bebilderten Karte, wie aus einem Bilderbuch für Kinder, wollten wir alle Attraktionen um San Pedro de Atacama abfahren.

Simon und ich wechselten uns ab mit dem Fahren, Caro gefiel die Rolle als hinten sitzender „Gute-Laune-Bär“ und schoss ein Foto nach dem anderen. Auf meiner Festplatte befinden sich rund 500 „On-the-road“-Aufnahmen und Fotos von grasenden oder umherziehenden Vicunas.

Wider Erwarten machte sich der Van auf den offroad-Pisten relativ gut, nur ab und an tat er sich bei den Steigungen schwer. Aber ich liebe das Autofahren, also gefiel mir auch diese Herausforderung.

Bei der Laguna Altiplanicas, die wir als erstes Ziel erreichten, wurden wir von dem Anblick der Seen inmitten der Wüste überwältigt. Die Natur ist einfach ein Wunder. So hatten wir doch geglaubt, dass die Wüste einfarbig und eintönig sei, jedoch überraschten uns die vielfältigen Formen und Farben der Pflanzen, der Steine, ja sogar des Sandes. Vermutlich rührt das daher, dass wir zu Beginn der Regenzeit hierher reisten.

Am ersten Tag schafften wir es sogar pünktlich zum Sonnenuntergang an der Laguna Chaxa. Der besonders salzhaltige Boden im See spiegelt das Sonnenlicht in wundervollen Farben wieder und die aufsteigenden Flamingos verleihen die besondere Romantik in dem Moment. Wobei dies nur eine Haaresbreite vom Kitschigsein entfernt ist.

Sonnenuntergang Laguna Chaxa
Sonnenuntergang bei der Laguna Chaxa

Die Nacht verbrachten wir in der Nähe des Sees, nachdem wir ein einigermaßen sicheres Stückchen Erde – oder eher Sand – als Stellplatz gefunden hatten, bei dem wir zu ca. 50 % nicht der Gefahr liefen bei eventuell eintreffenden Regen weggespült zu werden. Wir hatten Glück, kein Regen in der Nacht. Während Simon und Caro sich dem Aufbau des Zeltes widmeten, versuchte ich mich an der Pasta mit einer Tomaten-Zuccini-Sauce über dem Gaskocher des Campers. Und es schmeckte unerwartet richtig lecker, die beste Pasta, die wir je unter einem klaren Sternenhimmel gegessen hatten. So viele Sterne habe ich in Deutschland noch nie beobachten können.

Sonnenaufgang in der Atacama-Wüste
Sonnenaufgang in der Atacama-Wüste

Ausnahmsweise konnte ich in dem Dachzelt so gut schlafen (sonst fällt mir das Einschlafen in Zelten immer sehr schwer), dass ich sogar bis zum Sonnenaufgang durchschlief. Während die anderen beiden noch ratzten (der Wein vom Vorabend trug seinen Teil dazu bei) bereitete ich unser Frühstück vor: Die Fertigbrötchen mit dem Instantkaffee. Für einige das schlechteste Frühstück der Welt – für uns ein Hochgenuss in unseren Schlafsäcken. Man erfreut sich halt eigentlich an den simplen Dingen im Leben.

Wir mussten nochmal in die Stadt, um zu tanken. Was allerdings keinen Umweg darstellte, sondern in unserer Richtung lag, gen Norden. Am gestrigen Tage erkundeten wir den südlichen Teil unterhalb San Pedro de Atacama und heute hatten wir uns den Süden und u. a. das Valle de la Luna vorgenommen. Auf dem Weg in die Stadt machten wir Halt an der Laguna Tebenquiche, einer weiteren Salzlandschaft, und pausierten nach einer folgenden Abzweigung auch für etwas Badespaß in einem See mit über 40%igen Salzgehalt – der Laguna Cejar. Mein persönlicher Tipp: Vorher nicht rasieren!

Da Simon unbedingt noch seine Riesen-Kakteen sehen wollte, fuhren wir noch weiter ins Kakteen-Tal, welches nur einen Katzensprung von Bolivien entfernt liegt. Ok, es ist nicht so, dass wir es nicht auch sehen wollten.

On the roadIn dieses Tal kam man nur über eine einzige unbefestigte, extrem kurvige Straße, direkt am steilen Abgrund, auf der man mit Sicherheit bei starkem Regen weggespült würde. Natürlich fing ausgerechnet dann das Donnergrollen an und fast schwarze Wolken saßen uns bereits im Nacken. Im wahrsten Sinne des Wortes konnte man hier von einem Rennen gegen die Zeit sprechen.

Die ersten Tropfen fielen und die befestigte Straße war bestimmt noch einige Kilometer entfernt. Diese erreichten wir jedoch noch rechtzeitig, bevor die Wassermassen vom Himmel kamen. Die Sicht lag bei ca. 10 Metern und die Scheibenwischer des Vans überschlugen sich fast. Caro war schon wieder am Fotos machen und völlig aus dem Häuschen. Ich hoffte einfach nur darauf, dass wir nicht im Hochwasser enden würden, wie in Salta.

Taten wir auch nicht. Alles ist gut gelaufen. Nach einer guten halben Stunde war alles vorbei. Belohnt für unsere Tapferkeit wurden wir durch den fesselnden Anblick der mondähnlichen Landschaft (wie der Name schon sagt) im Valle de la Luna.

Valle de la Luna
Valle de la Luna

Der Van wurde unbeschadet wieder abgegeben und wir verabschiedeten uns von Simon, da wir uns in der morgendlichen Frühe des nächsten Tages nach Santiago aufmachen wollten.

Mit Sicherheit kann ich behaupten, dass dieser Trip zu einem meiner bisher besten Reiseerlebnisse gehört.

Die Wüstencamper
Die Wüstencamper

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