Malaysia – Mount Kinabalu via Ferrata

Falls sich der eine oder andere fragt „Was is´ eigentlich mit Lisa? Lebt die noch?“. Ja, läuft noch bei mir, obwohl die letzten Wochen etwas anders als geplant und teilweise chaotisch verliefen. Kennt ja jeder aus seinem eigenen Leben.

Geschafft! Via Ferrata
Via Ferrata geschafft!
Mount Kinabalu
Mount Kinabalu

Ich habe es aber geschafft. Den Aufstieg des 4.095 m hohen Berges Kinabalu in Sabah, Malaysia und den Abstieg des Berges, der seit dem Jahr 2000 als UNESCO Weltkulturerbe gilt, davon 1.290 m via Ferrata innerhalb in zusammengefasst 16 Stunden.
Bei dieser Herausforderung bin ich an meine physischen, sowie auch psychischen Grenzen gestoßen.

Nun muss ich jedoch zugeben, dass ich mit einer Anstrengung überhaupt nicht gerechnet hatte. Normalerweise fällt mir Outdoorsport immer relativ leicht. Allerdings stand dieser Trip auch gar nicht auf meiner Agenda.
Zufälligerweise bin ich im Internet via Google auf die Besteigung des Kinabalu gestoßen, als ich recherchiert habe, was es in Borneo alles zu erleben und entdecken gilt.
Na ja, entdeckt, Bilder gesehen und die Outdooraktivität in mein Gehirn gebrannt. Da ich aber zu faul war, den Trip sofort im Internet zu buchen, hatte ich die Kontaktaufnahmen mit sämtlichen Tourenanbietern zunächst nach hinten verschoben und mich auf Sightseeing in Kambodscha beschränkt. Davon ausgehend, dass ich einfach in Kota Kinabalu herum spaziere und mir vor Ort einen günstigen Anbieter aussuche. „Nöööt“ würde jetzt der „Failed-Button“ einer TV-Quizshow ertönen. Womit ich nämlich nicht rechnete, war, dass es nur eine bestimmte Anzahl von Erlaubnissen für eine Besteigung gibt.

Da stand ich dann also in Kota Kinabalus Fußgängerzone bei 35 Grad im Schatten, bereit um morgen oder übermorgen den Gipfelstürmer zu mimen, nur um dann zu erfahren, dass für die nächste Woche keine „Permits“ mehr erhältlich sind und für die nächste Woche nur Besteigungen mit Kosten zwischen 500 und 700 €. Das war mir eindeutig zu viel für 2 Tage Wandern und eine Übernachtung in einer unbeheizten Hütte. Und das ohne via Ferrata!

Hiking Map Mount Kinabalu
Hiking Map Mount Kinabalu

Ja, via Ferrata. Darauf hatte ich mich nun versteift und wollte das unbedingt. Ein Tourenanbieter empfahl mir, direkt zur Agentur zu gehen, die als einzige die via Ferrata-Kletterei durchführt und nach verbleibenden Plätzen zu fragen. Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen und stand dann vor dem offiziellen Büro von „Mountain Torq“.
„Hey, ich will auf´n Berg, habt ihr was verfügbar?“
„Via Ferrata Walk the Torq oder Via Ferrata Low´s Peak Circuit?“
„Wo ist der Unterschied?“
„Na ja, Low´s Peak ist länger und schwerer.“
„Low´s Peak Circuit, bitte!“

Während die Mitarbeiterin die Daten überprüfte, schaute ich mir die Unterschiede der beiden Möglichkeiten genauer in der Informationsbroschüre an.

Unterschied via Ferrata Strecken
Unterschied der beiden via Ferrata Strecken

Der Wesentliche Unterschied zwischen den Kletterstiegen ist, dass sich „Walk the Torq“ mit einer Länge von 390 m gut für Anfänger eignet und einen Einblick über die Möglichkeiten eines Kletterstieges gibt, während der 1290 m lange Low´s Peak Circuit sich 3.776 m über dem Meeresspiegel befindet und somit der höchste Kletterstieg der Welt ist. Um einen Eindruck der Höhe zu bekommen: das entspricht 4,5 x dem Burj Khalifa. Der Low´s Peak Circuit ist daher sogar im Guinessbuch vermerkt.
Dass ich darauf also Bock hatte, war klar.
„Nächste Woche ist alles voll. Aber wir haben noch Plätze am 06.05.2017.“
„Super, her damit! Äh, aber was kostet das eigentlich bei euch?“

Hier eine kleine Übersicht, was man für die Besteigung des Mount Kinabalu mit Mountain Torq an finanziellen Mitteln einplanen muss.

Ich entschloss mich, bereits einen Tag früher in den Nationalpark zu fahren. Dies war wesentlich bequemer, da es um den Kinabalu-Park nur so von Gasthäusern, Hotels und Homestays wimmelt. Meine Wahl fiel auf das 300 Meter vom Parkeingang entfernte Mountain Resthouse für 40 RM pro Nacht – welches es mir wahrhaftig angetan hat – mit sehr familiären Flair, simplen Holzbungalows und einem kleinen Wachhund in Spe.

Mountain Torq Büro Kinabalu Park
Mountain Torq Büro Kinabalu Park

Startet man seine Klettertour von Kota Kinabalu aus, sollte sich auf sehr frühes Aufstehen eingestellt werden. Die Fahrtzeit dauert ungefähr 1,5 Stunden, wobei sich mit der Gruppe um 08:00 Uhr morgens am Verwaltungsbüro des Parks zum registrieren getroffen wird.

Nach der Registrierung und der Gruppeneinteilung geht es dann ab zum Timpohon Gate, an welchem der Startpunkt für den ca. 6 km langen Wanderweg zu unserer Unterkunft “Pendant Hut“ liegt.

Wandergefährtin Jane und ich staunten nicht schlecht, als wir am Eingang bereits zahlreiche Träger mit unglaublich schweren Platten auf dem Rücken sahen. Wie ich auch schon am Mount Huang Shan in China die Lastenträger für ihre harte körperliche Arbeit bewundern konnte, gilt hier selbiges Prinzip: Alles wird nach oben zu den Unterkünften getragen.

Lastenträger
Lastenträger Lisa

Das durfte ich auch sofort selbst ausprobieren und muss zugeben, dass ich total abkacken würde nach den ersten 500 m. Die Platte auf meinem Rücken wog ungefähr 36 kg, wobei die meisten Lastenträger wesentlich mehr schleppen. Otto Normal hat schon mit seinem 1,5 kg leichten Nylon-Trekkingrucksack beim Aufstieg zu kämpfen. Bei Kilometer 2 kamen uns 2 Guides – einer von ihnen trug eine ca. 25-jährige auf seinem Rücken – entgegen. Tja, bei Verletzungen wird man halt auch hinuntergetragen.
Ab Kilometer 4 wird es dann mühsam, vor allem auch, weil das Wetter ständig wechselt.

Es fängt an zu nieseln, du holst deine Regenkleidung hervor, bis du mit dem Anziehen fertig bist, hat es aufgehört zu regnen. Weil du jedoch schlau sein willst, lässt du deine Regenkleidung an, da der Regen schließlich jederzeit wiederkommen könnte. Nach 30 Minuten ohne Regen bist du dann klatschnass geschwitzt unter deinen Klamotten und entschließt dich dann für das Ausziehen. Sind Regencape und Co. dann wieder schön ordentlich im Rucksack verstaut, passiert folgendes: Es regnet. In Strömen.

Diese Prozedur zog sich dann bis zur Pendant Hut durch. Soweit meine Kraft noch reichte, machte ich mehr oder weniger Luftsprünge vor Freude für den heißen Kaffee und Tee zur Begrüßung. Vom Timpohon Gate bis zur Pendant Hut haben wir ungefähr 4 Stunden gebraucht, womit wir gar nicht schlecht dran waren. Die meisten Via-Ferrata-Teilnehmer trafen 1,5 Stunden später, kurz vor der Unterweisung in die Klettertour, ein.

Unterweisung via Ferrata
Unterweisung via Ferrata

Die, für alle Teilnehmer verpflichtende, Unterweisung über die Nutzung der verschiedenen Karabiner, Seile, Taue und Knoten wurde klar, verständlich erklärt (das ist in Asien nicht unbedingt der Regelfall) und jeder musste an sich vorführen, ob er denn auch tatsächlich alles verstanden hatte.

Da die letzten 2 km zur Spitze des Mount Kinabalu in der Nacht – Wecken ist um 01:30 Uhr – stattfindet, bricht die Nachtruhe in der Pendant Hut nach einem ausgiebigen Abendbuffet (welches sich für Vegetarier aber nicht eignet) um 20:00 Uhr ein.

Glücklicherweise habe ich mir in Kota Kinabalu noch eine Kopflampe zugelegt. Andernfalls wäre ich echt aufgeschmissen gewesen. Im Gegensatz zur vorherigen Wanderung startet man mitten in der Nacht auf rutschigen Felsen welche man aufgrund der Steigung eher auf Händen und Füßen, einem weißen Seil folgend, begeht. Dabei handelt es sich noch nicht einmal um den Klettersteig, sondern nur um die Wanderung zur Bergspitze!

Seil to the summit
Seil bis zur Spitze

Um 02:00 Uhr morgens traf sich unser Guide mit uns um also zur Bergspitze zu kraxeln, um 07:00 Uhr sollte ich aber bereits schon beim Treffpunkt zum Low´s Peak Circuit sein, welcher sich 1,5 km unter der Bergspitze befindet. Ja, der Zeitdruck ist da. Schließlich sind 2 km einen Berg hinauf und 1,5 km hinunter klettern, einfach komplett anders als 3,5 km am Sportplatz.

Wenn man also direkt am Anfang nicht ein bisschen reinhaut wird es eng mit der Zeit und kann den Sonnenaufgang definitiv nicht genießen. Und diesen sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen! Einfach überwältigend und eines der schönsten Dinge die ich je sah.

Startpunkt Low´s Peak Circuit
Startpunkt Low´s Peak Circuit

Dieser Anblick muss mich wohl so mitgenommen haben, dass ich beim Startpunkt des Low´s Peak Circuit noch völlig geflasht war und keinerlei Angstgefühle oder Aufregung hinsichtlich des vor mir liegenden Abgrunds verspürte. Dies kam erst später, als ich dann tatsächlich am Abgrund hing. Der Ferrata Trainer erklärte uns beim Gurt anlegen noch einmal die überlebenswichtigen Regeln und teilte Alice, Steve und mich systematisch an einem Seil auf. Durch Gurt und Seil ist man immer doppelt abgesichert, vorausgesetzt man macht es richtig. Ich verließ mich vollkommen auf Mountain Torqs Ausrüstung, die auf dem neuesten Stand, regelmäßig gewartet wird und auf den erfahrenen Trainer.

Dann ging es mit dem Abseilen los, wobei man leicht zurückgelehnt den Felsen hinuntergeht. Bleibt man zu nah mit dem Oberkörper am Felsen, verkrampft man sich und würde ständig abrutschen. Aber das dauert nicht wirklich lange, bis man das herausgefunden hat. Leider war diese Position nicht geeignet für meine Blasen an den Hacken, die ich mir schon 2 Tage zuvor im Park gelaufen hatte (nein, keine neuen Schuhe, ich bin einfach zu viel gelaufen in der letzten Zeit) und sich nun meldeten. Verdammt, tat das weh. Aber wird ja auch nicht besser durch das Rumheulen.

Der Part mit dem Abseilen ist allerdings nicht lang und nicht so herausfordernd wie die Umrundung eines Bergabschnittes, an dem man bis ins Tal hinunter schauen kann. Hierbei muss man unheimlich auf die vom Wasser glitschigen Stellen am Stein aufpassen, ich bin nicht nur einmal abgerutscht. Selbst Menschen, die nicht an Höhenangst leiden, können sich dabei kurzzeitig erschrecken. Das ist genau die Art von Kick, die ich wollte! Meine persönlichen Favoriten bei der Kletterpartie waren die Hängebrücke und das über eine Schlucht gespannte Drahtseil.

Hängebrücke Low´s Peak Circuit
Hängebrücke Low´s Peak Circuit

In der Regel schließen die Gruppenteilnehmer den Low Peaks Circuit zwischen 3 und 7 Stunden ab, wir lagen bei 6 Stunden. Unser Ferrata Trainer berichtete uns jedoch auch von Gruppen die bis zur Abenddämmerung gebraucht hatten. Keine Ahnung, wie man das hinbekommt.

Bedauerlicherweise bekam ich nach Beendigung des Low´s Peak Circuits enorme Kopfschmerzen, sodass ich mich hätte übergeben können. Ich musste nochmal an die Frau denken, die am Vortag von dem Guide getragen wurde. Allerdings war an Ausruhen in der Pendant Hut nicht zu denken, da ich den letzten Bus zurück nach Kota Kinabalu um 17:00 Uhr (bei dem ich mir nicht wirklich sicher war, von wo der abfährt, da es keine offizielle Bushaltestelle gab) und meine Kletterzertifikate aus dem Mountain Torq Verwaltungsbüro (welches um 17:00 Uhr schließt) bekommen wollte. Da es bereits 13:00 Uhr war, musste ich mich also ranhalten und machte mit Erlaubnis meines Guides den 6 km langen Abstieg in 3 Stunden ohne Pause alleine, da Weggefährtin Jane sich verletzt hatte und auf unseren Guide angewiesen war.

Mission completed
Mission completed

Alles hat wunderbar geklappt, Zertifikate bekommen, mein Gepäck aus dem Mountain Resthouse abgeholt und den Bus nach Kota Kinabalu bekommen. Gut, der kam erst gegen 17:30 Uhr anstatt 17:00 Uhr, in Südostasien jedoch keine neue Erfahrung für mich.

Als ich im Fat Rhino Hostel in Kota Kinabalu eintraf, ging es mir auch wieder gut. Der Tag danach allerdings war der Horror! Kopfschmerzen, Erbrechen, Fieber, das volle Programm. Sollte dies die sogenannte Höhenkrankheit sein? Keine Ahnung, was los war. Meine Muskeln und Glieder wollten nicht mehr, die kleinste Bewegung löste innerlich jedes Mal einen Heulkrampf in mir aus. Und das Schrecklichste war, dass ich im oberen Etagenbett schlief. Klettere da mal ständig rein und raus, wenn dein Körper nicht gehorcht und du kotzen musst! Es ging mir nur den Tag nach der Besteigung so schlecht, die darauffolgenden Tage waren in Ordnung.

Warum macht Lisa nun diese Art von Aktivität? Natürlich um meine Grenzen auszutesten. Ich habe es aus Dummheit übertrieben, weiß jetzt aber auch, was ich wegstecke und was nicht. Trotz all der Anstrengung, den schmerzenden Muskeln und Gliedern, würde ich diesen Aufstieg immer wieder wagen. Der Ausblick, das Erfolgserlebnis, wenn man es geschafft hat, übertrifft einfach jegliche Schmerzen und Unbequemlichkeiten. Schlicht und einfach ist es das wert.

Ich bin bereits auf der Suche nach dem nächsten Gipfel der Herausforderungen. Momentan geistert der Mt. Fuji in meinen Gedanken umher. Oder der 233 m tiefe Bungee Jump in Macao. Mal sehen.


4 Gedanken zu “Malaysia – Mount Kinabalu via Ferrata

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