Malaysia – Sandakan

Save our Pygmy
Save our Pygmy – gefunden an einer Schule in Sandakan
Palmölplantagen Sabah
Palmölplantagen in Sabah

Palmölplantagen so weit das Auge reicht. Auf unserem ca. 6 stündigen Roadtrip von Kota Kinabalu nach Sandakan berichtete mir Timothy, dass der Großteil des Regenwaldes in Borneo für die Palmölplantagen draufgeht. Dies führt zur Verringerung des Lebensraumes der vom Aussterben bedrohten Orang Utans. Und es kommen aufgrund der hohen Nachfrage immer wieder neue Plantagen hinzu. Das Öl wird nicht nur als Biokraftstoff verwendet, sondern auch beim Schlendern durch den Supermarkt, wird man massenhaft Produkte mit dem Inhaltsstoff „Palmöl“ finden. In der Vergangenheit war mir das natürlich nicht bewusst. Da es mir persönlich ein wichtiges Anliegen war, einen echten lebenden Orang Utan fernab von Tiergehegen im Zoo zu sehen, recherchierte ich etwas genauer über die Tiere und fand heraus, was der Konsum dieses speziellen Öls eigentlich bedeutet und ausmacht. Gibt es vielleicht Alternativen? Interessant fand ich den, vom World Wildlife Fund veröffentlichten, Bericht über das deutsche Konsumverhalten von Palmöl. Den Artikel findet ihr hier.

Die Orang Utans waren übrigens der Hauptgrund meiner Reise nach Borneo. In freier Wildbahn ist die Sichtung dieser Affenart höchst unwahrscheinlich, jedoch gibt es die Möglichkeit den Primaten in ihrem gewöhnlichen Lebensraum bei Sandakan nahe zu kommen.

Hsiang Garden Sandakan
Die Unterkunft des Schreckens – Hsiang Garden Sandakan

Timothy ließ mich also in Sandakan an meiner Unterkunft „Hsiang Garden“  heraus und fuhr weiter in seine Heimatstadt Lahad Datu. Im Hotel Hsiang Garden hatte ich ein Bett eines 3-Bett-Dormitory für umgerechnet 2,68 € über Agoda gebucht und dieses Geld zum Fenster herausgeworfen. Oder schön wäre es, wenn es denn möglich gewesen wäre. Ich gehe davon aus, dass in der gesamten Lebenszeit dieses Gebäudes, speziell dieser Raum nicht ein einziges Mal gelüftet wurde. Gut, man konnte das Fenster auch nicht öffnen. Ich frage mich, welche Deppen bauen ein Hotel, ohne die Möglichkeit Fenster zu öffnen oder die Frischluftzufuhr in den Zimmern zu gewährleisten? Das kann einfach auch nur in Südostasien vorkommen. Wie dem auch sei, den Käfer vom Bett geschubst, seinen Platz auf der leicht feuchten Matratze eingenommen und es gerade mal 5 Minuten in der Schimmelbude ausgehalten, bevor ich fluchtartig den Raum verließ. An der frischen Luft merkte ich, dass meine Haare und meine Kleidung bereits den Ekelgeruch in sich aufgesogen hatten. Klasse. Wie würde ich dann erst nach einer Nacht müffeln? Also mit dem Käfer als Zimmergenossen würde ich schon klar kommen, die Matratze könnte ich mit einem Handtuch abdecken. Aber wie sollte ich denn Atemluft bekommen? Und selbst stinken – auch noch ohne Grund, ohne irgendwie vorher im Dreck gewühlt zu haben – ist meine absolute Horrorvorstellung. Schließlich muss man sich selbst einige Zeit lang ertragen. Also nee. So nicht. Leider befindet sich das Hotel in einer, selbst für meinen Geschmack, unsicheren Wohngegend. Den Schlafsack schnappen und draußen nächtigen, fiel damit flach. Scheiße.

Da dieses Hotel ca. 3 km von Sandakans Zentrum mit all seinen Hotels und Hostels entfernt lag, bekam ich wenigstens meinen Bewegungsausgleich zur langen Autofahrt. Gottseidank ist Sandakan eine Touristenstadt und es grenzt nicht an Unmöglichkeit gegen 18:00 Uhr noch ein Bett irgendwo zu ergattern. Nachdem ich einige der günstigen Backpacker-Unterkünfte abklapperte, landete ich schlussendlich in einem Cafe mit meinem Cappuccino und verglich die Preise im Internet. Sämtliche Hostelangestellten verrieten mir nämlich, dass die Betten und Zimmer für diese Nacht wesentlich günstiger auf Agoda oder Booking seien. Ich fand das überaus freundlich von den Angestellten, solche Tipps sind wirklich keine Selbstverständlichkeit. Vermutlich hatten sie aber alle nur Mitleid mit mir. Die Onlinepreise waren tatsächlich 2-5 € günstiger, als die Walk-in-Preise. Während ich also gerade im Inbegriff war, das nächste Hostel zu buchen, stolperte so ein Typ im Anzug über meinen Rucksack, stützte sich an meinem wackeligen Tisch ab und stieß dabei meinen Kaffeebecher um. Nun hatte ich 10 % Mitleid mit dem Typen und 90 % Ärgernis (meine Freunde können sich jetzt gut meinen Todesblick vorstellen) über meinen verschütteten Cappuccino. Obwohl es ja nun meine Schuld war, dass er durch meinen Rucksack fast einen Genickbruch erlitt, entschuldigte er sich garantiert 20 Mal und brachte mir sogar einen neuen Kaffee. Und setzte sich dann auch noch zu mir, um sich mit mir zu unterhalten. Das fehlte mir gerade noch, eigentlich wollte ich nur noch schlafen gehen. In der Unterkunft, die ich noch nicht gebucht hatte. Aber ich riss mich einfach zusammen und ließ mich auf die Unterhaltung mit dem Anzugtypen ein, welcher im Übrigen nicht billig aussah. Und diese Konversation war vermutlich das Beste, was mir an diesem Tag passieren konnte und eigentlich sollte ich dem Müffel-Hotel danken. Denn es stellte sich heraus, dass Mister Anzug für das Luxushotel „Four Points by Sheraton Sandakan“ arbeitete und mir im Laufe des Gesprächs anbot für 20 USD die Nacht inklusive Frühstück ein Zimmer im Hotel zu organisieren. Ich wäre sicherlich misstrauisch gewesen, wenn ich nicht gerade zufällig im Cafe neben diesem Hotel gesessen hätte und er mir nicht seine Visitenkarte gezeigt hätte. Klar, 15 USD die Nacht in einem Luxushotel sind natürlich mehr als ca. 7-10 USD die Nacht in einem 8-Bettzimmer, aber so ein Schnäppchen bekommt man als Rucksacktourist ja nun nicht jeden Tag. Außerdem war ich wohl noch ein wenig verwöhnt vom Hyatt in Kota Kinabalu. Mir blieb allerdings auch nicht viel Zeit um darüber nachzudenken, denn er telefonierte bereits mit dem Hotel und 3 Minuten später hatte ein uniformierter Angestellter des Hotels schon mein Gepäck in der Hand. Ich stellte vorher klar, dass das hier aber keine Dating- oder gar Sugardaddy-Nummer wird. Mit der Aussage kassierte ich von ihm ein promptes, herzliches Lachen und ein „Ich-bin-glücklich-verheiratet“-Statement. Na ja, man weiß ja nie, besser man klärt das vorher.

Busstation Sandakan
Busstation Sandakan

Wie auch immer, ich war auf jeden Fall froh, für die nächsten Tage eine tolle Unterkunft im Zentrum zu haben. Bis zur Busstation waren es nur 5 Minuten Fußweg. Um den Orang Utans zu begegnen muss man nämlich nach Sepilok, einem kleinen Örtchen außerhalb Sandakans, fahren. Es gibt natürlich auch etliche Tourenanbieter, die komplette Pakete (Transport, Mittagessen, Guides, Admission Fees) ab 300 RM bis Ende offen anbieten, aber da zahlt man nur unnötig drauf. Beispielsweise kostet der Eintritt zum Orang Utan Rehabilitation Centre Sepilok nur 30 RM, das Busticket für den unklimatisierten großen Bus nur 3 RM und für den Minivanbus nur 6 RM. Die Busse sind alle durchnummeriert und daher eigentlich einfach zu finden. Den großen Local-Bus habe ich mysteriöser weise jedoch nicht entdecken können und wurde von den Einheimischen auch immer nur zum Minivanbus geschickt. Dieser fährt 3 Mal täglich nach Sepilok.

Wenn man im Rehabilitationszentrum ankommt, muss man seine Taschen, Nahrungsmittel, Sonnenbrillen und Kameras (es sei denn, man bezahlt für die Mitnahme von Handys und Kameras) einschließen. Es könnte nämlich passieren, dass die Primaten versuchen die Gegenstände zu stehlen. Auch muss man sich beim Ticketkauf als Besucher registrieren lassen. Erst dann erhält man die Erlaubnis, die durch den Dschungel führenden Canopy Walks zu betreten. Zugegeben, diese sind nicht wirklich lang und teilweise stark besucht, aber zumindest sieht man die orangen Wesen zwischen den Baumwipfeln hin und her schwingen. Ich könnte denen stundenlang zuschauen. Vom Centre fährt regelmäßig ein kostenloser Shuttlebus zum Labuk Bay Proboscis Monkey Sanctuary.

Sunbear Conservation Centre Sepilok
Malaienbär im Bornean Sun Bear Conservation Centre Sepilok

Direkt neben dem Orang Utan Rehabilitation Centre befindet sich das ebenfalls sehenswerte Bornean Sun Bear Conservation Centre. Das Personal hier stellt den Besuchern sehr ausführlich die Bären, dessen Geschichte und das Zentrum vor. Ein Großteil der kleinen Bären wurde als Haustiere gehalten oder stand mal auf der Speisekarte in einigen Restaurants. Leider können diese Malaienbären nie wieder ausgewildert werden, da ihnen teilweise die überlebenswichtigen Zähne oder Krallen fehlen. Das weitläufige Gelände des Conservation Centres bietet den misshandelten Bären jedoch ein neues Zuhause und Schutz. Gelegentlich kommen sogar die Orang Utans früh morgens auf das Gelände, berichtete mir eine Pflegerin. Der Eintrittspreis liegt bei 31,80 RM für nicht-malayische Erwachsene.

Mir persönlich hat das Rainforest Discovery Centre besonders gut gefallen. Für 15 RM bekommt hier jeder, der nicht unbedingt scharf auf eine zweiwöchige Dschungelexpedtion ist, einen kleinen Einblick vom Regenwald, der Pflanzenwelt, seinen Bewohnern und deren Geräuschen – wie z. B. das unverwechselbare „Brüllen“ der, ebenfalls vom Aussterben bedrohten, Pygmy-Elefanten, von dem man meinen könnte, er käme von den Bären – diese klingen jedoch wie bellende Hunde. (Oh, Tiergeräusche. Das erinnert mich an einen Insider. Ich hatte mal sehr talentierte Kollegen, die perfekte Zebralaute nachahmen können. Ahüü.) Die vielen unterschiedlichen Pfade sind – sagen wir mal ausreichend – ausgeschildert und wenn man ganz viel Glück hat (oder einfach nur leise ist), kann man sogar einem Orang Utan begegnen. Zur Vogelbeobachtung empfehle ich höhentauglichen und schwindelfreien Menschen insbesondere den Baumwipfelpfad.

Pflanzenliebhaber werden den am Eingang befindlichen Botanischen Garten zu schätzen wissen. Unglaubliche Pflanzenwelt, jedes Blatt ist überdimensional und die deutschen Bäume könnte ich nun als zarte Bäumchen beschreiben. Das RDC scheint noch relativ unbekannt bei Touristen zu sein, da mir hier kaum Menschen begegnet sind.

Sandakan Heritage Trial
Am Sandakan Heritage Trial

Von Sandakan aus erreicht man per Boot auch den Turtle Island Park oder man kann die Stadt durch den Sandakan Heritage Trial etwas näher kennenlernen. Täglich wird auch ein Secondhand-Markt neben der Sandakan Harbour Mall aufgebaut. Die Waren sind jedoch nicht immer unbedingt im besten Zustand.


3 Gedanken zu “Malaysia – Sandakan

  1. Sandan Sandamer Sandakan… Flemmli Jungglut Lohgock … Pichu Pikachu Raichu… Schwing dein Orang Utan Ding… N Schal und nen Cowboyhut? Selbe Machart?

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