Japan – Tokyo

Mein erster Eindruck von Tokyo oder generell Japan, war doch recht ernüchternd. Im Vergleich zu Südostasien war auf einmal wieder alles geordnet und so „normal“. Bei der Ankunft am Flughafen Haneda wurde mir zunächst mein Obst und Gemüse aus Malaysia abgenommen, da man dieses aus dem Ausland nicht einführen darf. Eigentlich wäre das nicht tragisch, jedoch sind frisches Obst und Gemüse in Japan so unglaublich teuer, dass mich das schon etwas geärgert hat. Beispielsweise legt man für einen einzigen Apfel schon mal umgerechnet 1,50 € hin.

Ich hatte mir auch alles etwas verrückter und bunter vorgestellt. Ungefähr wie in Takeshi´s Castle. Statt den mutig „Banzai“-schreienden Freaks erwartete mich nur geschäftiges Businessvolk in Tokyos Straßen und vor allem in der Ubahn – und alle schienen exakt den selben Anzugschneider sowie Friseur zu haben. Plötzlich schien ich der Freak in Sportschuhen und zerschlissener Jeansjacke, der gegen den Strom schwimmt, zu sein.

Die Untergrundbahnen sind übrigens nur zu Rush-Hour-Zeiten, z. B. morgens um 8 Uhr und abends von 5-7 Uhr überfüllt. Zu diesen Zeiten werden sogar Waggons nur für Frauen zur Verfügung gestellt. Meidet man diese Zeiten als Tourist, läuft man auch nicht der Gefahr noch in den Zug gequetscht zu werden, wie uns das aus dem Fernsehen bekannt ist.
Witzig fand ich die Treppen zu den Gleisen. Auf jeder Stufe wurde gekennzeichnet, wie viele Kalorien man durch das Treppensteigen gerade verbrannt hat.

Tokyo Disneyland
Tokyo Disneyland

Da mir das alles aber etwas zu trist und langweilig war, verzog ich mich für zwei Tage ins Tokyoter Disneyland und Disneysea. Zuerst hatte ich versucht das Parkticket online auf deren Homepage zu buchen, das hat allerdings aufgrund meiner deutschen Mailadresse aber nicht funktioniert. Eine gute Alternative bildet hier die App „Klook“. Diese bieten das 2-Tages-Ticket für ca. 13.200 Yen an. Die Buchung ist unkompliziert und schnell getan. Nicht vergessen das per Mail zugesandte Ticket auszudrucken!
In Disneyland traf ich dann wenigstens auf Japaner in ausgefallenen Kostümen oder Typen vollgepackt mit Kuscheltieren in den Achterbahnen. Jeder war glücklich, strahlend, gut gelaunt und die Darsteller hochgradig motiviert, diese Stimmung auch zu halten.

Disneyland Tokyo
Disneyland Tokyo

Man ist hier einfach besser drauf, als draußen in der Realität. Das Disneyland in Tokyo ist von der Aufmachung und den Attraktionen vergleichbar mit dem Pariser Disneyland. Nur bei den Shows wird in unseren deutschen Augen das Schauspiel bei den Darstellungen sehr übertrieben. Auch wenn man nichts versteht (keine englischen Übersetzungen) sind die Shows durch die Übertreibungen doch urkomisch und entlockten mir einige Lacher und ein ewiges Schmunzeln. Enttäuschend waren für mich jedoch die Geschwindigkeit der Attraktionen. Verglichen mit Achterbahnen in Deutschland sind die japanischen Achterbahnen doch eher Bimmelbahnen.
Besser waren diese dann im aufwendig gestalteten Disneysea. Die relativ neue Parkanlage bietet Attraktionen, die ich noch nie vorher gesehen habe. Spektakuläre 3D-Achterbahnen und tolle Nachbildungen diverser Städte.

Das Warten in beiden Parks hält sich erfreulicher Weise in Grenzen. Weiterhin gibt es auch die Möglichkeit den „Single Rider“ Eingang zu nutzen. Das bedeutet, dass Personen die alleine die Attraktionen betreten, mit den Fast-Pass-Nutzern gleichgestellt werden. Selbst wenn man mit Freunden unterwegs ist, kann man diesen nutzen. Es kann halt nur passieren, dass man nicht zusammen in die gleiche Fahrt genommen wird. Das muss dann jeder für sich selbst entscheiden, ob man diese Möglichkeit mit fünfminütiger Wartezeit in Anspruch nimmt oder 1 Stunde ansteht.

Nach der zweitägigen Flucht aus der Realität konnte ich mich wieder Tokyos Großstadtdschungel widmen. Nahe dem Stadtteil Shibuya wurde ich von dem Couchsurfing Host Takaya aufgenommen und lernte dort die deutsche Couchsurferin Johanna kennen. Diese war bereits seit einiger Zeit in Japan mit dem Work & Holiday Visa unterwegs.
Mit ihr erkundete ich Tokyos Partydistrikt Shibuya und stellte eine Wandlung der oben erwähnten Anzug tragenden Bevölkerung fest.

Couchsurfer-Freundin Johanna u ich an Hachiko-Statue in Tokyo Shibuya
Johanna und ich in Shibuya bei Hachiko

Gegen Abend gehen japanische Arbeitskollegen nach getaner Arbeit gemeinsam in Bars, wo sich der berufliche Stress von der Seele getrunken wird. Im Anschluss grölt man noch ins Mikrofon einer Karaoke-Anlage. Der obligatorische Treffpunkt für eine exzessive Partynacht im Vergnügungsviertel Shibuya bildet eine Bronzestatue zum Gedenken an den berühmtesten Hund in Japan – Hachiko. Die bewegende Geschichte des treuen Hundes wurde im Jahr 2009 unter dem Titel „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ sogar verfilmt. Schüler findet man nach der Schule bis spät abends meistens in einer der unzähligen Spielhallen, in denen man sich unter anderem Hello Kitty, Pikachu & Co. mit Glück angeln kann.

Nationalmuseum Tokyo
Schülerinnen vor dem Nationalmuseum in Tokyo

Um sich etwas mit der Geschichte und japanischer Kultur vertraut zu machen, sollte man dem Tokyoter Nationalmuseum einen Besuch abstatten. Der Eintrittspreis liegt bei 620 Yen, Studenten zahlen nur 410 Yen. In Japan lohnt es sich immer den Studenten-, Schüler- oder Rentenausweis dabei zu haben. Fast überall bekommt man dadurch Vergünstigungen oder gute Angebote.

Das Nationalmuseum liegt im schönen Ueno Park, der bei bestem Wetter viele Besucher anlockt. Zum Zeitpunkt unseren Besuchs konnten wir bei einer gemeinnützigen Veranstaltung ziemlich schräge Games beobachten. Unter anderem wurde einfach ein Berg Schnee angekarrt auf dem die Kinder spielen konnten oder es wurde um die Wette gesägt. Wäre eigentlich der Bringer auf jeder Geburtstagsfeier. Hätte ich nicht im Winter Geburtstag würde ich mir auch einen Schneeberg wünschen.

Tantes Toilettencheck

Öffentliche Toilette Tokyo
Öffentliche Toilette irgendwo in Tokyo

Der Toilettengang in Japan wird zur Luxusangelegenheit. Im Vergleich zu den südostasiatischen, unter Wasser stehenden, Beton-Hock-Klos in dunklen Kammern, wo die Spülung aus Schöpfkellen in Eimern besteht und die Holztür fast aus den Angeln fällt, ist die japanische Toilette die reinste Wohltat. Die Toiletten haben Funktionen, von denen ich nicht einmal für möglich gehalten hatte, dass es das geben könnte. Integriertes Bidet, Musik oder Naturgeräusche (z. B. Vogelgezwitscher oder Meeresrauschen), beheizte Klobrillen. Beheizte Klobrillen, wie geil ist das bitte? Morgens nach dem Aufstehen nie wieder auf einen kalten Toilettensitz setzen müssen. Ich werde mich schwer tuen, wieder auf eine gewöhnliche Toilette gehen zu müssen. Zurück in Deutschland wird das vermutlich meine erste Anschaffung sein.

Toilettenfunktionen japanische Toilette
Diverse Funktionen einer japanischen Toilette

3 Gedanken zu “Japan – Tokyo

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