Japan – Kyoto

Wie stellt man sich Japan vor?

Tee, Geishas, Samurai, Kirschblüten, Schreine und Tempel? Dafür ist man in Kyoto an der richtigen Stelle. Also raus aus Tokyo und auf ins noch mehr oder weniger vorhandene traditionelle Japan.

Um von Tokyo nach Kyoto zu gelangen kann man sich nun zwischen Bus und Zug entscheiden – oder das Hitchhiken. Ich habe einige Reisende in Japan kennengelernt, die ausschließlich durch das Trampen von A nach B in Japan kommen. Scheint also auch trotz mancher Sprachbarrieren eine durchaus gute Möglichkeit zu sein.

Entschieden hatte ich mich für eine nächtliche Busverbindung, da Johanna – eine Couchsurferin, die beim gleichen Couchsurfing-Host unterkam – und ich noch einen Sightseeing-Tag in Tokyo (Reisebericht hier) einlegen wollten. Sie begleitete mich auch zur Bushaltestelle, die sich irgendwie auf dem Dach des Shoppingcenters am Shinjuku Bahnhof in Shibuya befand. Wir machten es uns im Wartebereich mit einigen Farewell-Drinks aus dem 7/11 gemütlich und hatten vermutlich die spaßigste Wartezeit, die man sich vorstellen kann. Obwohl wir uns gerade mal 2 Tage kannten, hat man das Gefühl, sich schon ewig zu kennen und ist einfach auf einer Wellenlänge. Wir haben auch immer noch regelmäßigen Kontakt. Ja, ein weiterer positiver Effekt des Reisens: Man lernt Freunde fürs Leben kennen.

Mit dem Nachtbus von Tokyo nach Kyoto war ich ungefähr 5 Stunden unterwegs und konnte während der Fahrt mal wirklich gut schlafen. Bequeme Liegesitze mit Decken, viel Platz und freundlicher Busbegleiter, der einen sanft am Ankunftsort weckte. Der Bus war ausnahmsweise auch mal nicht mit Menschen überladen. Nach der Horrorfahrt von Hanoi nach Luang Prabang war ich schließlich etwas geschädigt. Das Ticket kann ganz leicht auf Japan Bus online gebucht werden und hat mich nur 5.400 Yen gekostet, natürlich gibt es auch noch günstigere Verbindungen. Für den Shinkansen – der japanische Schnellzug – legt man locker das Doppelte hin, ist allerdings auch in 2 Stunden am Ziel.

Um 05:00 Uhr morgens stand ich dann mit meinem Gepäck an der Sanjo Station direkt am Kamo River. Der Kamo River hat um diese Uhrzeit, während es bereits hell wird, etwas Magisches an sich. Die sonst so belebte Stadt Kyoto scheint menschenleer zu sein und strahlt eine sehr friedliche Ruhe aus. Man sieht lediglich hier und da einige Nachteulen, die nach einer durchzechten Nacht in den Bars und Clubs noch etwas mit ihren Freunden ein letztes Bier in den Morgenstunden am Fluss genießen. Mit meinen zwei Rucksäcken beladen wanderte ich also am Kamo entlang und wurde von einer Gruppe junger männlicher Clubgänger neugierig begutachtet und schnappte von deren Unterhaltung das Wort „kawaii“ (übersetzt „süß“ oder „niedlich“). So, wie ich angestarrt wurde, konnten die eigentlich nur über mich reden, allerdings bin ich mir nicht sicher, was jetzt genau „süß“ oder nicht „süß“ war. Schließlich sieht man in Jogginghose mit schweren Rucksäcken behangen alles andere als fantastisch aus. Davon mal ab, ist Backpacking in Japan eher ungewöhnlich. Japaner reisen mit Trolleys oder riesigen Koffern. Also einfach bezaubernd lächeln und weitergehen.

Vegan Bowl
Vegan Bowl im Organic House Salute

Mein Ziel war ein neuer Workaway-Arbeitgeber, bei dem ich für eine Woche im Restaurant das Frühstück zubereiten und servieren sollte. Direkt bei meiner Ankunft lernte ich andere Volunteers kennen, unter anderem Piotrek aus Polen, der mir zum Mittagessen sein favorisiertes vegetarisch/veganes Lieblingsrestaurant „Organic House Salute“ in Kyoto zeigte. Die Speisekarte ist nicht vielfältig, dafür sind die Gerichte aber wohl ausgesucht und qualitativ hochwertig. Ab und an kann es ohne Internet schwierig werden, in Japan rein vegetarische Kost zu finden.

Wartelisten Kyoto
Wartelisten für Lokale

Ich hatte mir dieses Mal keine lokale Simkarte mit Datenvolumen gekauft, da diese im Vergleich sehr teuer sind und man sollte zumindest auch mal einige Wochen ohne mobiles Internet auskommen. Richtig? Zur Not bekommt man auch immer eine Internetverbindung in jedem Starbucks. Bei besonders gefragten Restaurants muss sich in Wartelisten für einen Sitzplatz eingetragen werden. Das brave Anstehen in der Schlange ist hierbei auch nichts Ungewöhnliches und Gäste warten geduldig – wenn es sein muss, auch Stunden – vor dem Lokal.

Dadurch, dass meine täglichen Schichten im Gojo Paradiso sehr kurz waren, hatte ich massig Zeit, die Stadt Kyoto – in der einen Hand eine Gurke am Stiel und in der anderen Blattgold Eiscreme in der Geschmacksrichtung „Grüner Tee“ – mit all seinen Tempelanlagen zu besichtigen. Wer leider kein Glück hatte, in Tokyo ein Ticket für das ständig ausgebuchte Ghibli-Museum zu ergattern, sollte auf jeden Fall dem Ghibli-Shop in Kyoto einen Besuch abstatten und ein Foto mit dem Lebensgroßen Totoro schießen. Im Anschluss noch eine heiße Hello-Kitty-Schokolade im Hello Kitty Café?

Japanerinnen im Yukata
Japanerinnen im Yukata

Auffällig sind besonders die bildhübschen Japanerinnen in geliehenen Kimonos – in der Regel mit Freund im Schlepptau, welcher (wahrscheinlich) genötigt wurde, ebenfalls die traditionelle Tracht zu tragen und der sämtliche Taschen, Tüten oder sonstiges seiner Angebeteten hinter herträgt.

Aber genau das wollte ich auch ausprobieren. Also die Sache mit den Kimonos. An jeder Ecke kann sich ein Kimono (traditionelles japanisches Gewand, welches in mehreren Schichten getragen wird) oder Yukata (eine Art sommerlicher Kimono aus nur 2 Schichten) geliehen werden. Günstiger kann man diese über das Internet reservieren und einen Termin zum Ankleiden vereinbaren. Ich fand mich in dem Kyoto Kimono Rental Wargo wieder, wo mir zwei Damen beim Anziehen helfen mussten. Das wäre für mich schon ein Grund, solch ein Kleidungsstück nicht zu kaufen, wenn man sich nicht alleine anziehen kann. 40 Minuten später stand ich dann ansehnlich in einem Yukata und frisierten Haaren auf der Straße, und es goss in Strömen. Klasse.

Kyoto Yukata Verleih
Im geliehenen Yukata – bei Regen.
Innenstadt Kyoto Regen
Innenstadt Kyoto bei Regen

Das Gute am Regen in Japan ist allerdings, dass überall weiße Regenschirme vor Geschäften kostenlos zum Mitnehmen stehen. Hört es auf zu regnen, stellt man den Schirm einfach in einen Schirmständer des nächsten Geschäfts und lässt ihn da. So stehen eigentlich immer Regenschirme zur Verfügung.

Die Bewegungsfreiheit im Kimono ist übrigens aufgrund der strammen Bindung stark eingeschränkt. Setzt man sich, kann man nur richtig aufrecht sitzen und es wird der unschöne – aber bequemere – runde Rücken vermieden. Vorsicht ist bei dem Treppensteigen geboten.

Trotz allem ist ein Spaziergang im Yukata oder Kimono durch Kyoto auf jeden Fall ein Must-do in Japan.


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