Japan – Osaka

Mit Freunden in Osaka
Mit den Freunden Maasa, Edogawa, Ryouta und Toshihisa in Osaka.

Die letzten 3 Wochen während meines Japan-Aufenthaltes verbrachte ich durch workaway als Volunteer im Hostel Dolphin House in Osaka. Hier sollte ich dem 75-jährigen Hostelinhaber Hiro bei den täglich anfallenden Aufgaben, wie Zimmerreinigung und Rezeption, zur Hand gehen. In meiner Vorstellung hatte ich ein „normales“ Hostel, d. h. Eingangsbereich, Rezeption, Gemeinschaftsküche, Zimmer mit Hochbetten und einigen Mitarbeitern, vor Augen. Bei der Wegbeschreibung hätte ich allerdings schon stutzig werden müssen. Laut dieser würde ich in einem Wohngebäudekomplex mit riesigem Gerüst davor landen. Egal, ich stand nun mal hier im 9. Stock vor einer offenen Wohnungstür mit einem ausgedruckten Schild „Hostel Dolphin House Osaka“. Für anreisende Gäste war das Hostel im Übrigen sehr schwierig zu finden und regelmäßig konnte ich die verloren Gegangenen in der Wohnsiedlung einsammeln.

Gemeinschaftsbereich Hostel Dolphin House
Gemeinschaftsbereich im Hostel Dolphin House Osaka

Im Eingangsbereich, neben der einzigen Toilette, müssen brav die Schuhe ausgezogen werden, wie es in Japan üblich ist. Danach steht man dann direkt im Wohnbereich – welcher original nach der mit Nussbaum möblierten Wohnung eines Rentners ausschaut – eine kleine Essecke, der Wohnzimmertisch neben einem Hochbett ist vollgepackt mit Schachteln, Krimskrams und Kleidung. Von dort gelangt man in die winzige, aber gut ausgestattete Küche und im Anschluss daran befindet sich das Badezimmer mit dem Duschraum.

Das Hostel ist tatsächlich nur eine kleine Wohnung eines älteren Herren in einem Hochhaus mit 3 Zimmern, wobei 2 davon „Frauenschlafsäle“ mit je 2 Hochbetten und eines der „Männerschlafsaal“ mit 4 Hochbetten sind.

Hiro and me

Als ich die Wohnung zum ersten Mal betrat, waren nur 2 schlafende Gäste und Max – welcher am Esstisch lümmelte und mir als erstes das Wlan-Passwort zur Verfügung stellte – anwesend, aber kein Boss oder Personal. Hiro sollte erst abends nach seiner Arbeit wieder Heim kommen. In Japan ist es durchaus nichts Ungewöhnliches, dass Rentner noch arbeiten. So auch in Hiro-Sans Fall. An 6 Tagen die Woche arbeitet er abwechselnd volle Tage in 2 verschiedenen Jobs, unter anderem als Parkplatzwächter/Einparker einer großen Supermarktkette. Das sind die Typen, die mit Warnschutzkleidung und den neon-orangen Leuchtstäben die Leute in die Parklücken einweisen. Tja, und nebenbei betreibt er halt noch ein Hostel und 2 weitere Ferienwohnungen. Kein Wunder, dass der Mann Hilfe braucht.

Mein Bett befand sich in einem der Frauenschlafsäle und bestand aus einem umgebauten Wandschrank, in den ich hineinklettern musste – ich nannte es liebevoll „Höhle“. Diese war mit einer dünnen Matratze ausgelegt, ausgerüstet mit einer Leselampe und Steckdosen (die jedes Mal ein wenig britzelten, wenn ich meine Elektrogeräte auflud), sowie dicken Vorhängen für die Privatsphäre. Hiro selbst lebt übrigens auch in der Wohnung und schläft im Wohnzimmer. Dadurch, dass man tatsächlich in der Wohnung von jemandem unterkommt, erinnert das Ganze an Couchsurfing. Einige Gäste waren Langzeitgäste und viele Reisende verlängerten mehrmals ihren Aufenthalt. Nicht zuletzt wegen des unschlagbaren Preises (500 Yen pro Nacht), sondern auch wegen anderen Gästen, zwischen denen sich Freundschaften entwickelten. Das bleibt natürlich nicht aus, wenn man auf engstem Raum wie eine Familie zusammen lebt.

 

ungemachtes Hostelbett
Ein beispielhaftes Exemplar eines ungemachten Hostelbettes.

Tagsüber war ich im Hostelbetrieb also absolut auf mich alleine gestellt. An ausgebuchten Nächten musste ich, neben der Verwaltung des Booking.coms-Account, Mailverkehr und der Reinigung der Gemeinschaftsräume auch alle Betten machen. Wer schon mal Hostelbetten, vor allem von Langzeitgästen, gesehen hat, weiß, was einen erwarten kann. Man gewöhnt sich daran.

Obwohl der Boss viel mit seiner Arbeit beschäftigt war, kochte er sehr gerne abends noch für mich. Super lecker war sein selbstgemachtes Okonomiyaki!

Für mich persönlich hat das Dolphin House Osaka einfach einen ganz besonderen Charme, mit seinem liebenswürdigen Hostel-Opa, der nur einzelne Wörter Englisch sprach, was häufig zu lustigen Missverständnissen führte und den immer, über das spezielle Hostelkonzept, amüsierten Gästen.

Im Yaenosato Park
Im Yaenosato Park mit Josh, Mel, Tom Jonas, Rob und Yukari.

Mit denen ich im Übrigen nicht nur auf Tagesausflüge (z. B. nach Nara) fahren konnte, sondern auch wunderbare Zeit im Yaenosato Park verbrachte. Der Park ist kein bisschen spektakulär, es war einfach der nächste am Hostel.

Mit Gitarren, den unglaublich leckeren und frischen Sandwiches, Bento- und Sushiboxen aus dem Supermarkt und Dosengetränken wie „Strong Zero“* von Suntory bepackt, konnten wir den gesamten Nachmittag bis Tief in die Nacht hier verbringen.

Yukari, Mel and me
Die japanische Bloggerin Yukari, Mel aus Thailand und ich beim Testen einer japanischen Biersorte.

Mit der japanischen Reisebloggerin Yukari (hier der Blog) tauschte ich mich dabei regelmäßig über das Reisen, Bloggen und den japanischen Lifestyle aus.

Ab und zu sind wir auch zum Feiern nach Dotonbori gefahren, wo wir jedoch nie länger als 24 Uhr blieben. Öffentliche Verkehrsmittel fahren nämlich nur bis kurz nach 24 Uhr und dann erst wieder morgens zwischen 5 und 6 Uhr. Zum Laufen war unsere Herberge leider viel zu weit entfernt. Aber Osaka bietet eine hervorragende Kneipen- und Clubszene, in welchen jeden Tag der Bär steppt. In den Tanzlokalen werden spezielle Bereiche nur für die Damen zur Verfügung gestellt. Sollte sich dorthin ein männliches Wesen verirren, ist die Security sehr schnell zur Stelle für eine Zurechtweisung. So viel dann zur Gleichberechtigung. Es dürfen auch nirgends Jacken oder Taschen abgelegt werden, wenn man diese mit hinein nimmt. Das bedeutet natürlich, dass man alles immer in der Hand halten muss. Dafür werden Schließfächer angeboten. Mein Favorit ist der vierstöckige Club „The Giraffe“.

Rob aus England und der deutsche Tom Jonas beschäftigten sich lieber in den schrillen und bunten Spielhallen, während die Amerikanerinnen Marina und Nicole sich vergnügt beim Packen und Umsortieren ihrer japanischen Fanartikel, z. B. aus den Universal Studios Osaka im Flur des Wohnhauses ausließen.

Marina und Nicole beim Packen
Marina und Nicole beim Packen

Soweit ich mich erinnere, hat es für die beiden 2 Tage gebraucht, ein ordentliches System zu finden.

Fernab vom Hostel Life ist ein unbedingtes Must-see in Osaka natürlich das berühmte Osaka-Castle, umringt von einer riesigen Parkanlage.

Osaka Castle
Osaka Castle – Aussichtspunkt Osaka Museum of History
Im Osaka Museum of History
Im Osaka Museum of History

Ich empfehle vor der Besichtigung des Schlosses das „Osaka Museum of History“ aufzusuchen. Vom 3. Stock hat man nämliche eine fantastische Aussicht auf das Osaka-Castle und bekommt alles Wissenswerte rund um die Stadt. Außerdem gibt es hier ein lohnendes Angebot: Für nur 900 Yen kann das Museum (600 Yen) und das Schloss (600 Yen) betreten werden.

Im Anschluss gönnte ich mir für 1.000 Yen einen Ausblick über Osaka vom 173 Meter hohen Umeda Sky Building mit seinen 40 Stockwerken im Floating Garden Observatory.

Mit dem Fahrrad schafft man locker alle drei Sehenswürdigkeiten an einem Tag. Witzig in Japan ist auch, dass wirklich alles verniedlicht wird, auch auf ernst zu nehmenden Straßenschildern. Beispielsweise sieht man auf einem Radfahrverbotsschild eine Katze auf einem Fahrrad. Eine Katze auf einem Fahrrad? Macht das Sinn? Und was soll das mit dem Bären und dem Hasen? Hat sich dieser Vorfall hier schon einmal so ereignet und soll dem damit vorgebeugt werden?

Zum Abschied lud Ojichan Hiro mich auf Udon und frittiertem Gemüse in seinem Lieblingslokal ein. Die dicken Nudeln werden in das Saucenschälchen getunkt und dann verspeist. Oder eher geschlürft.

*„Strong Zero“ – das Teufelszeug mit harmlosen Namen. 4 Dosen davon und du stehst im Busch, fühlst dich wie ein Ninja, kämpfst gegen nicht vorhandene böse Mächte an, verirrst dich in einer 400 m großen Parkanlage oder fängst an mit allen anderen chinesisch zu sprechen.


2 Gedanken zu “Japan – Osaka

  1. Bevor ich’s vergesse: Ganz liebe Geburtstagsgrüße aus meiner dusteren, muffigen Amtsstube nach „Down under“!!!
    Oder doch Japan??? 🙂 Ach ja – du verpasst hier nix, rein gar nix …. Alles richtig gemacht.
    Es grüßt
    Der Prinz (nein, nicht aus Zamunda) aus Stube 338

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Lisa,
    auch ich möchte nicht versäumen, die herzliche Geburtstagsgrüße zu senden – ich hoffe, dass du noch eine tolle Zeit hast – lass dich heute mal ordentlich feiern!!
    LG Matthias

    Gefällt 1 Person

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